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Geschichte der Juden.
sandten nicht gleichgültig. In Rothschilds Koffer waren Gelder desBundestages zur Sicherheit niedergelegt. Der Vorsitzende, Graf v.Bnol-Schanenstein, berief daher eine Confcrenz der Mitglieder zurBerathung, und es wurde beschlossen, Bnndestruppen ans Mainz zuberufen, da der Stadtmiliz nicht zu trauen sei. Estaffeten flogen nachallen Seiten hin. Dadurch machte die Frankfurter Judenhetze in ganzEuropa großes Aufsehen. Die Aufregung gegen die Juden dauerteindessen trotz der herbeigezogenen Truppen noch immer fort. Mehrerederselben verkauften daher ihre Häuser, und selbst die Rothschildstrauten dem Frieden nicht und dachten ernstlich daran, Frankfurt denRücken zu kehren. Sie hätten nach Frankreich oder England übersiedeln^ müssen; denn in Deutschland waren sie damals nirgends ganz sicher.
Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die Nachrichten dieser Juden-schlacht in Deutschland, als hätte die Bevölkerung überall nur aufein Zeichen gewartet, um loszubrechen. In Darmstadt und Bayreuthwiederholten sich (12. August) die Stürme. Aus Meiningen wurdendie wenigen Juden vertrieben. In Karlsruhe fand man einesMorgens (18. August) an der Synagoge und an den Häusern ange-sehener Juden einen Zettel angeheftet mit den Worten: „Tod undVerderben den Juden!" Hier war es der Hofbanquier Haber, dessenReichthum die Bevölkerung zur Wuth stachelte. Ein Osficier be-schimpfte einen geachteten jüdischen Lehrer am Lyceum öffentlich.Die Hamburger folgten nach (21. — 24. August). Die Judenwurden aus den Kaffeehäusern und von der Post mit Hohn undBeleidigungen verjagt, die Fenster ihrer Häuser wurden eingeschlagen.Da sie sich hin und wieder zur Wehr setzten, so bedeutete ibnender Senat drohend, sie mögen bei Strafe sich jeder Gelegenheit zumStreit enthalten. In Düsseldorf fand man (28. August) die Haus-thüren mehrerer jüdischer Häuser durch schwarze Striche und drohendeZettel bezeichnet. Im Badischen, wo Sand die deutschthümelndeNarrheit mit einem Mord besiegelt hatte und die Aufregung der Ge-müther »och fortdauerte, war die Erbitterung gegen die Inden so groß,daß kein Jude sich auf den Straßen blicken lassen konnte, ohne be-schimpft oder mißhandelt zu werden. In Heidelberg kam es (Ans.Sept.) zu einem Tumulte in Folge eines pöbelhaften Auftrittes,der den ritterlichen Charakter der Deutschen in ein wunderliches Lichtsetzt. Ein Bürger hatte ein jüdisches Mädchen mißhandelt und warvon der Polizei verhaftet worden. Alsbald erhob sich fast die ganzeBevölkerung, um den Helden zu befreien und die jüdischen Häuser zuzerstören. Die Hep-Hep-Rufe erschollen in den Straßen; Acxte,Brecheisen, Werkzeuge aller Art wurden wie zu einer Erstürmung