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Geschichte der Juden.
In Deutschland, dem Lande der Mitte, nahm der Widerwillegegen die Juden ohne Grund uud Veranlassung immer mehr zu.Jüdische Prediger feierten in der Synagoge die Völkerschlacht vonLeipzig (18. Oct. 1818) in patriotischem Hochtone. Das Alles warden Dentschthümlern kein Beweis von Vaterlandsliebe. Der Juden-haß nahm vielmehr einen so heftigen Charakter an, daß ein halbwohl-meinender Schriftsteller (März 1819) den baldigen Ausbruch pöbel-hafter Angriffe auf Gut und Leben voransverküuden konnte: „Eine
Stimmung verbreitet sich, welche Bürger ein und desselben Staatesals feindliche Prinzipe einander gegenübcrstellt und Factionen inseinem Innern erzeugt, die sich jeden Moment blutig bedrohen. Ein >Haß wird rege, wie er kaum in den düsteren Zeiten des MittelaltersX geherrscht haben mag und uns Erscheinungen ahnen läßt, die mit dem sGeiste der Humanität und des inneren Friedens im Widerspruchestehen" i). Rahel von Varnhagen Prophezeite, eine düstere Kassandra,
X. in derselben Zeit einen Judeusturmst.
Die Gemüther waren damals in Deutschland durch die ErmordungKotzebues in Mannheim von der Hand des christlich-romantischüberspannten Studenten Karl Sand (März 1819) und durch dieGewaltmaßregeln der Regierungen gegen demagogische Umtriebe undDeutschthümelei, die sie früher selbst genährt hatten, sehr erregt.
Die Dentschthümler lechzten nach einem Opfer, um an ihm ihre Rachezu kühlen, und da sie den Staatslenkern, den Metternichs, Gentz',Kamptz', die täglich neue Verfolgungen gegen sie ersannen, nicht bei- (
^ kommen konnten, so wurden die hilflosen Juden dazu ausersehen. !
Eine Reihe brutaler Wuthausbrüche, welche den niedrigen Bildungs-grad der mittleren Volksklaffeu in Deutschland in der damaligenZeit bezeichnen,) erfolgte mehrere Monate hintereinander. Mit demHep-Hep-Geschrei gegen Juden tauchte das Mittelalter in seinergrausigsten Gestalt wieder auf; es wurde von der Studentenschaft und !>'dem Kaufmaunsstande wieder aufgefrischt.
Den Reigen eröffnete die Stadt Würzburg. Ein neuer Professorwurde (2. August) von der Studentenschaft feierlich eingeholt, und vielVolk hatte sich angeschlossen. Plötzlich wurde ein alter ProfessorBrendel bemerkt, der kurz vorher zu Gunsten der Juden geschriebenhatte. Es hieß: er habe dafür von ihnen eine Dose voll Ducatenbekommen. Bei seinem Anblicke erscholl aus dem Munde der Studentender unsinnige Ruf „Hep-Hep!" mit dem pöbelhaften Zusatz: „Jud'
st Alexander Lips, über die künftige Stellung der Juden in den deutschenBundesstaaten, 2. Ausl., Z 2, S. 2ü.
'st Brief an ihren Bruder Robert, vgl. weiter unten.