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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

von Preußen, und es wurde immer mehr in Metternichs freiheits-feindliche Ränke verstrickt. Den jüdischen Officieren, die bei Waterlooso tapfer gekämpft hatten, wurde ihre Pension entzogen. Von Staats-anstellungen der Juden war keine Rede mehr, nicht einmal als Feld-messer und Apotheker wurden sie zugelassen *). Die verheißene Gleich-stellung der Juden in den nenerworbenen oder wiedereroberten Provinzenwurde immer verschoben. Die Letzteren blieben den Beschränkungenaus früherer Zeit unterworfen, und Preußen bot den Anblick einerwunderlichen, versteinerten Gesetzgebung in Betreff der Juden. Es gabeinundzwanzig verschiedene Grundgesetze zur Behandlung derselben. Siewurden eingetheilt in französische, altpreußische, sächsische, polnischeJuden, natürlich nur zu ihrem Nachtheil 2). Die Juden der ProvinzPosen, die Parias unter den preußischen Juden, durften kein Hausvon einem Christen erwerben, nicht auf dem Lande wohnen, keine kauf-männischen Rechte erlangen und unterlagen noch anderen Beschränkungen.In den Städten, wo früher keine Juden wohnten, durften keine aus-genommen werden, wie in Oesterreich. Von einer Provinz in dieandere überzusiedeln, war nicht gestattet.

Es wurde in Preußen geradezu darauf angelegt, die Juden inder Gesellschaft verächtlich zu machen. Während die Regierung früherdarauf Bedacht genommen hatte, im officiellen Verkehr den Namen:Jude, jüdisch, zu vermeiden, weil er eben eine gehässige Neben-bedeutung hat, so bestand sie später darauf, daß gerade diese Bezeichnungin Gebrauch kommen sollte. Früher fand sie Wohlgefallen daran,wenn die Juden ihre Namen verdeutschten:weil es die löblicheTendenz verräth, sich überall der allgemeinen Landessitte anzuschließenund Alles, was die bisherige Absonderung und den Judaismus so-gleich äußerlich bezeichnet, möglichst fortzuschaffen." Später verbot sieihnen, christliche Vornamen anzunehmen oder auch nur die häßlichklingenden in schönere zu verwandeln Neben der Absicht, die Judennicht in den Organismus des erträumten christlichen Staates aufzu-nehmen, spielte auch eine andere mit, die nämlich, Proselyten zu machen,und sie zum Christenthum hinüber zu ziehen. Die Zeit hatte sichrasch geändert.

Die Verkehrtheit der Theorie vom christlich-deutschen Staate unddie daraus gefolgerte Annahme, daß die Juden keinen Theil an dem-

*) Vgl. Jolowicz, die Juden in Königsberg, S. 129.

2 ) Vgl. v. Rönne und Simon a. a. O., S. X.

3) Interessant ist die Vergleichung des ministeriellen Reskripts vom 19. Sept.1812 mit der Cabinetsordre vom 10. Aug. 1836 bei v. Rönne und SimonS. 57 und 13.