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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Die Juden in Oesterreich und Preußen. 317

aber Oesterreich, das soviel sittliche Entrüstung für die Juden gegenLübeck äußerte? Franz I. und sein Beherrscher Metternich vergaßenvollständig die wohlwollenden Absichten Josephs II. und erinnerten,sich nur der gehässigen Gesetze Maria Theresias gegen die Inden. Sieließen nicht nur die alten Beschränkungen bestehen, sondern fügten nochneue hinzu. Sie verjagten die Inden allerdings nicht, wie in Lübeckund Bremen; aber sie ließen sie gar nicht so weit kommen, ausge-wiesen zu werden; es wurden ihnen Ghettos innerhalb Oesterreichsangewiesen, über die sie nicht hinansgehcn durften. Tyrol, das klöster-liche Gebirgsland, war ihnen selbstverständlich so gut wie den Protestantenverschlossen. In Böhmen waren ihnen die Bergstädte und Dörfer undin Mähren umgekehrt die bedeutenden Städte Brünn und Olmütz, wosie nur übernachten oder ans knrze Zeit weilen durften, unzugänglich.

Und überall gab es Judengassen. Die Beschränkungen der JudenOesterreichs waren sprichwörtlich geworden. Und erst in Galizien?Hier gab es einen noch härteren Druck als im Mittelalter Z. Selbstdie wohlwollenden Bestimmungen Josephs II. in Betreff des Schul-zwanges und des zweckmäßigen Religionsunterrichtes wurden nicht ge-handhabt, um Bildung unter den Inden zu verbreiten, sondern nurum sie zu quälen und zu beeinträchtigen. Der Kaiser Franz adeltezwar diesen und jenen reichen Juden, aber die klebrigen wurden ent-würdigt. Kriegsdienste mußten sie leisten, aber die Tapfer» unter ihnenwurden kaum zu den untersten Staffeln der militärischen Leiter zu-gelassen. Es legt ein glänzendes Zeugniß für die Kernhaftigkeit derJuden ab, daß die österreichischen unter diesen erniedrigenden Be-schränkungen nicht entartet sind, daß sich vielmehr eine ganze Reihederselben selbst in Galizien trotz aller Hemmnisse zur Höhe künstlerischerLeistungen emporgeschwungen hat.

Oesterreich hatte allerdings den Juden keine Versprechungen ge-macht und keine Hoffnung auf Freiheit erweckt. Aber auch Preußen,wo sie bereits im Vollgennsse des Staatsbürgerrechtes gewesen waren,hat für sie ein Stück Mittelalter heranfbeschworen und damit zugleichihre Ehre noch tiefer gekränkt. Friedrich Wilhelm III., der die Gleich-stellung der preußischen Juden als Gesetz erlassen hatte, ließ cs unaus-geführt als todten Buchstaben bestehen. Er erlag unbewußt der vonden Deutschthümlern und Sophisten aufgestellten Theorie vom christ-lichen Staate, in welchem den Juden kein Ehrenplatz eingeräumt werdendürfe. Namentlich wich mit Hardenbergs Tode auch der gute Geist ^

*) Vgl. die schöne Schilderung Isaak Erters über die Abgabenlast dergalizischen Juden,. I-etteris, p. 2V.