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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Aber wenn die Wahrheit und Gerechtigkeit auch mit Engels-zungen gesprochen hätte, die Deutschen wären damals taub für dieseStimme gewesen. Sie bohrten sich in den Judenhaß so fest ein, daßsie alle Einsicht verloren. Man war in England und Frankreich inarger Täuschung begriffen, wenn man voranssetzte, daß nur einigebrodneidische Zünftler die Beschränkung oder gar die Ausweisung der, Juden gefordert hätten, Und daß dieerleuchteten" Regierungen vonOesterreich und Preußen und besonders derweise Bundestag" diesemeigennützigen und barbarischen Geschrei Stillschweigen gebieten würden.Akademische Lehrer, Schriftsteller, Staatsmänner, Fürsten, sie allestimmten allmählich mit den Patriciern der freien Städte in der Herab-Würdigung der Juden überein. Rühs, weit entfernt, von Ewaldsüberzeugenden Gründen gebessert zu werden, fiel über diesen ehr-würdigen Greis mit Hohn her, behandelte ihn wie einen unreifenBuben und wollte ihn, den Geistlichen, belehren, was Christenthnm sei,und daß dieses die Erniedrigung und Ausschließung der Juden er-heische. Er führte als seinen Gewährsmann Luther an, der allerdingsim Alter einen Kreuzzug gegen die Juden Predigte ^). Rühs bestandhartnäckig auf allen seinen Behauptungen, fügte neue ebenso grundlosehinzu und gerieth förmlich in Leidenschaft, um die Juden zu brand-marken 2). Neue Schmähschriften gesellten sich zu den alten, meistensin fanatischem Tone gehalten. Der Senat von Lübeck ließ seine Un-^ Menschlichkeit gegen die Juden durch einen Sophisten vertheidigen,der lauter Schmähungen gegen sie und ihren Vertheidiger Ewald vor-brachte ^).

Gegen die Eingriffe der Lübecker in das Recht der Juden richteteendlich ein Organ der österreichischen Regierung eine Art von Drohung.Wie soll sich der künftige Bundestag mit Verbesserung des Zustandesder Israeliten beschäftigen, wenn einzelne Staaten durch die willkür-lichsten und grausamsten Beschlüsse seinen Berathungen vorgreifen?Es liegt in diesem Verfahren sowohl gegen den bevorstehenden Bundes-tag, als gegen die ersten Höfe von Deutschland, deren Grundsätze indieser Angelegenheit oft und laut genug ausgesprochen worden sind,ein Mangel an Achtung, der sich nur durch leidenschaftliche Ueber-treibung erklären, aber nicht leicht entschuldigen läßt"^). Was that

>) Vgl. B. IXg, S. 312 f.

2) Der Titel von Rühs zweiter Schrift vom Herbst 1818 lautet:Rechtedes Christenthums und des deutschen Volkes gegen die Ansprüche der Judenund ihrer Verfechter."

< b) Die Juden in Lübeck, 1816.

4) Oesterreichischer Beobachter, ein Regierungsblatt, vom 8. August 1816.