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Geschichte der Juden.
wilde Ausbrüche gegen die Juden erfolgten, zumal Fries' Schrift inSchänken und Wirthshäuseru vorgelesen wurde Z.
Gestützt auf die den Judenhaß predigende öffentliche Meinung,durften die freien Städte alle mittelalterlichen Schroffheiten gegen dieJuden anwenden. Der Senat von Bremen verbannte die dort auge-siedelten jüdischen Einwohner nach einem benachbarten Städtchen undgestattete keinem Juden über Nacht in der Stadt zu verweilen. Lübeckerließ einen Befehl, daß die meisten dort wohnenden Juden vierWochen nach Ostern die Stadt zu verlassen haben, und ließ, als siesich nicht fügten, ihre Verkaufsläden versiegeln. Hamburg und Frank-furt konnten sie nicht vertreiben, verboten ihnen aber, in christlichenStadtvierteln zu wohnen. Hat sich damals keine christliche Stimmegegen diese Ungerechtigkeiten erhoben? Zur Ehre der Deutschen mußes angeführt werden, daß einzelne Männer doch den Muth hatten,gegen die dummen Borurtheile und gegen den blinden Haß anzu-kämpfen. Ein hochgeachteter und gebildeter Rath in Regensburg,August Krämer, verfaßte zu ihrer Verteidigung eine besondereSchrift: „Die Juden und ihre gerechten Ansprüche an die christlichenStaaten, ein Beitrag zur Milderung der harten Borurtheile über diejüdische Nation." Geheimrath Schmidt in Hildburghausen führte derGegenwart einerseits jene Gräuelscenen vor, welche der christlicheFanatismus an Juden ausgeübt, und andererseits den Vorsprung derKultur, welchen die Letzteren in Spanien vor den Christen hatten 2).Am eingehendsten nahm für sie ein hoher reformirter Geistlicher vonsiebzig Jahren, Johann Ludwig Ewald aus Karlsruhe (st. 1822),><, das Wort. Ihn empörte Rühs' und Fries' Judenfresserei so tief, daßer sich nicht die Ruhe der Badejahreszeit in Baden gönnte, sie viel-mehr dazu benutzte, deren freche Behauptungen in einer Schrift (1816)Lügen zu strafen b). Ewald vertheidigte die geschmähten Söhne desisraelitischen Volkes nicht bloß im Namen des Christenthums, dessenVertreter er war. Alle bodenlosen Anschuldigungen gegen sie löste erin nichts ans. Selbst den Talmud nahm er in Schutz, den er jeden-falls besser zu würdigen wußte, als die Rühs' und Fries'. „Von
1) Zimmern, Versuch einer Würdigung der Angriffs des Hrn. Fries, S. 4.
2) Zeitschrift, der deutsche Bund I, 2, S. 62.
b) Ewald hat zwei Schriften zu Gunsten der Juden hinterlassen. „Ideenüber die nöthige Organisation der Israeliten in christlichen Staaten" 1816 und„der Geist des Christenthums und des ächten deutschen Volkes" 1817. Auchder Historiker Schlosser schrieb eine Denkschrift zur Vsrthsidigung der Juden,dis Börne corrigire» half, Gutzkow, Leben Börnes, S. 97. Sie scheint abernicht veröffentlicht zu sein. ^