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Geschichte der Juden.
befunden hatte, wenn sie schwärmte und Idealen nachjagte, seien dieseauch nur Phantome. Aber es ist unverzeihlich und kindisch zugleich,wenn auch reife Männer am Hellen Tage träumen und ihre Träumeals Wirklichkeit ausgeben und Andern aufzwingen wollen. DieserTraum war die überschwengliche Deutschthümelei, welchedie Deutschennicht bloß lächerlich machte, sondern noch dazu zu ihrem eigenen Ver-derben ausschlug. Zum ersten Mal war das deutsche Volk in ge-schlossener Einheit aufgetreten, während die Deutschen bis dahin nurLandsknechte der Fürsten gewesen waren, die sich zu Römerzügen oderzu Türkenkriegen oder zur Selbstzerfleischung hatten mißbrauchen lassen.Das deutsche Volk suchte in seiner eigenen Geschichte nach ähnlichenLagen, um sie zum Muster für sein Verhalten zu nehmen, und fandsie nurfim Mittelalter mit seinem römischen Kaiserthum deutscherNation und seiner päpstlichen Allgewalt oder in der Vorzeit derTeutonen mit ihrer ungeschlachten Roheit und ihrer kindischen Ein-fältigkeit. Die romantische Schule, die Schlegel, Arnim, Brentano,hatten ihm dieses grauenhafte mittelalterliche Gespenst in so wunder-licher Beleuchtung gezeigt, daß die Deutschen es in ihrer Verblendungfür ein Ideal ansahen, dessen Verwirklichung eine heilige Aufgabe sei.Zum Mittelalter gehörte das Christenthum, strenge Gläubigkeit undFrömmigkeit, gedankenlose Kirchlichkeit. Diese wurde schon deswegendas Herzblatt der Deutschen, um einen Gegensatz gegen den Unglaubender Franzosen und der Revolutionszeit zu haben. Sophisten hattenihnen ohnehin den stolzen Wahn eingeimpft, daß die Christuslehre dieallerhöchste ideale Civilisation sei und gerade im deutschen Volke ihreBlüthe erreicht habe. Die hohle Phrase, christlich-deutsch (oder teutsch),tauchte seitdem auf und trieb ihren Spuk am Hellen Tage.
Fromm im mittelalterlichen Sinne konnten allerdings nur Verehrerdes Katholicismus sein mit dem Papstthum als letztentscheidenderhöchster Autorität. Diesem Ziele steuerten daher auch die ehrlichenRomantiker zu: Görres, Friedrich Schlegel, Adam Mülleru. A., die folgerichtig zur römischen Kirche übertraten und das Reichder Jesuiten und der Inquisition wieder anfrichten halfen. Der sittlichfaule Gentz, der Protestant, stellte allen Ernstes den Katholicismusals die alleinseligmachende Kirche auf, welche die Einheit Deutsch-lands in Unterwürfigkeit unter Papst und Kaiser wieder Herstellenkönnte. Der Protestantische Theil Deutschlands, welcher vor diesemletzten Worte des folgerichtigen Handelns zurückschrak, verfiel in allerleiWidersprüche und glich Nachtwandlern mit Brandfackeln. „Gott hatteden Geist der Verwirrung in ihr Inneres gegossen, und sie taumeltenwie Betrunkene."