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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

mehrten. Die Rothschilds waren die ersten, welche das zweideutigeVerhältniß jüdischer Hofagenten und Hoffaktoren zur Höhe gesuchterFinanzherrscher erhoben. Obwohl sie den Grundsatz befolgt zu habenscheinen, ihre Geldmacht niemals zu Gunsten ihrer Stammesgenossenund ihrer Religion in die Wagschale zu werfen, so konnte es ihnendoch nicht gleichgültig sein, wenn in Frankfurt, wo ihr Stammhausstand, die Inden wieder zu Kammerknechten herabgedrückt werdensollten, und der eine oder andere der Brüder hat wohl bei den denAusschlag gebenden deutschen Congreßmitgliedcrn gegen die Ver-kümmerung der Rechte ihrer Gemeindegenossen ein gewichtiges Wortgesprochen. Ebenso geräuschlos thätig mar ohne Zweifel die jüdischeBaronin Fanny von Arnstein. In ihrem Hause verkehrten sämmt-liche Mitglieder und Diplomaten des Wiener Congresses, und es galtals eine Ehre, in ihr Haus eingeführt zu sein. Wenn sie es auchgeflissentlich vermied, als Jüdin aufzutreten, so konnte ihr edles Herzdoch bei dem aufrichtigen Schmerz der Juden in Frankfurt, Hamburgund den übrigen Hansestädten, denen so gut wie Alles geraubt werdensollte, nicht unempfindlich bleiben. Auch sie hat ohne Zweifel inernster oder scherzhafter Unterredung mit Hardenberg und Metternichein geflügeltes Wort für ihre Stammesgenossen hingeworfen. Istdoch damals überhaupt die große Politik von den Frauen gegängeltworden.

In der That zeigten sich denn auch diese den Congreß für diedeutschen Angelegenheiten beherrschenden Staatsmänner den Judengünstig. Hardenberg und Metternich haben in einem besonderenSchreiben ihr Mißfallen an den Bedrückungen der Juden in den Hanse-städten zu erkennen gegeben (Januar 1815) und dem Senate gerathen,was so viel als: besohlen bedeutete, eine menschliche, gerechte Be-handlung derselben eintreten zu lassen. Beide haben ihre Einmischungin Verhältnisse fremder Gebietstheile durch eine ungerechtfertigte Be-weisführung gedeckt: Der Druck, den die Häuser der jüdischen Nationleiden müssen, würde bei den Verbindungen der Juden unter einanderauch eine nachtheilige Rückwirkung auf die österreichischen und preußischenjüdischen Familien haben oder den Fortschritt ihrer Bildung hemmen.Hardenberg wies die Hanseaten auf das Beispiel Preußens und dasEdikt vom 11. März 1812 hin und bemerkte nicht ohne satyrischenZug, daß es ihnen doch nicht gelingen würde, den jüdischen Häusernden einmal erlangten Wohlstand zu entziehen; eine fortdauernde Be-

Karl, meistens in Neapel, geb. 1788, starb 1855; James in Paris, geb 1792,starb 1868.