270 Geschichte der Juden
daß der Ausdruck dieser Empfindung in das Protokoll niedergelegtwerde.
Vier Tage nach dem Schluß der Notabeln-Versammlung (1. Adar I —9. Febr. 1807) trat das große Sanhedrin zusammen, das einen ganzandern Charakter hatte. Es bestand, wie schon angedeutet, zu zweiDritttheilen ans Rabbinen, meistens aus denen, welche an der Notabeln-Versammlung betheiligt waren. Dadurch und durch die Hinzuziehung vonfünfundzwanzig Laien aus derselben Versammlung war die vonNapoleon gewünschte Bestätigung der zwölf Punkte gesichert. Scheinbarsollte das große Sanhedrin selbständig tagen und handeln. DieCommissarien sollten nicht in Verkehr mit ihm treten. Nur die erstendrei Würdenträger hatte der Minister des Innern ernannt: Sinzheimzum Vorsitzenden (Xassi), den greisen Segre zum ersten Beisitzer(Hr-Let-Diu) und Abraham di Cologna zum zweiten Beisitzer(Lbaobum). Die meisten neu einberufenen rabbinischen Mitgliederitalienischer und deutscher Zunge — da Frankreich damals nur sehrwenige Männer mit talmudisch-rabbinischer Kenntniß besaß — zeichnetensich durch nichts aus und brachten keine Bewegung in der Versammlunghervor. Die Eröffnung des Sanhedrin geschah auf eine feierlicheund eindringliche Weise. Vom Hause des Präsidenten begaben sichdie Mitglieder in die ausgeschmückte und mit Zuschauern aus denhöchsten Gesellschafts-Kreisen gefüllte Synagoge. Es versteht sich vonselbst, daß bei dieser Gelegenheit begeisterte Reden gehalten wurden.Sinzheims hebräische Rede konnte zwar wenig Eindruck machen; aberals er mit der Thorarolle im Arme, mit der ihm eigenen Würde dieVersammlung segnete, um Erleuchtung flehte und ein Gebet sprach,fühlten sich die Zuschauer von einem eigenen Gefühl ergriffen. Dieitalienische Rede di Colognas erhöhte noch diese Stimmung, erregteEnthusiasmus und hinterließ einen sehr nachhaltigen Eindruck fl. Siewar schwungvoll gehalten. „Es ist also wahr, daß heute die zerstreutenReste Israels sich Glück wünschen können, eine Stelle in den glor-würdigen Annalen des größten der Helden einzunehmen! . . . GroßerGott! Deiner erhabenen Güte ist es also gefällig, mich als einenHesekiel, Zeuge und Bewunderer der beginnenden Auferstehung fderfür vertrocknet gehaltenen Gebeine Israels) sein zu lassen." NapoleonsVerherrlichung fehlte auch in dieser Rede nicht und durfte nichtfehlen. Hymnen in hebräischer, französischer und italienischer Sprachewechselten mit Reden ab.
Aus der Synagoge begab sich die Versammlung in das Stadt-haus und in den für sie ausgeschmückten Saal, und die siebzig Mit-
fl S. Bericht darüber b. Bran, S. 406.