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Geschichte der Juden.
wie auf Sklaven herabgesehen hatten, empfanden selbst, was Knecht-schaft bedeutet; sie wurden im eigenen Lande als Fremde behandelt.Aus ihrem Traume von Ueberlegenheit und Vorzüglichkeit grausamgeweckt, benahmen sich die eingebildeten Weisen wie Kinder. Die Klugenliefen zum siegreichen Feinde über und leckten den Staub zu seinenFüßen. Immer weiter drang der Sieger nach Osten vor, bis in diesogenannten südpreußischen Provinzen, in die Gebiete von Posen undWarschau. In den Wintermärschen, welche in dieser rauhen Gegendaußerordentlich beschwerlich und aufreibend waren, fanden die französischenSoldaten bei den Juden hilfreichen Vorschub. Hätten die neu ge-wonnenen jüdischen Unterthanen etwa dem Preußischen Königshause fürjenes Gesetzt) treu und dankbar sein sollen, welches ihnen neue Be-schränkungen aufgelegt und sie der Willkür des polnischen Adels nurentzogen hatte, um sie dem Hochmuth des preußischen Beamtenthumszu überliefern? Gleich den Polen begrüßten die in diesem polnischenLandstrich lebenden Juden die Franzosen als Befreier. Napoleonsagte von dieser Dienstbeflissenheit der Juden gegen ihn und sein Heer:es sei eine Frucht des von ihm zusammenberufenen Sanhedrin^).
- Während der Kaiser den Winterfeldzug gegen die preußischenHeerestrümmer und die mit Preußen Verbündeten Russen fortsetzte,beschloß die jüdische Deputirtenversammlung ihre Sitzungen, und dasSanhedrin begann seine Berathungen. Der Schluß bot nichts Be-merkenswerthes; den Notabeln war die Berathung über den Entwurfzur Consistorialverfassung zugewiesen, welche die Neuner-Commissionihr unterbreitet hatte. Diese Verfassung war in dem Hauptpunktedas Werk der kaiserlichen Commission und enthielt verdächtigende undverletzende Bestimmungen genug. Als ob es die französischen Judenim tiefsten Innern doch nicht ganz ernst mit der Versicherung ihrerHingebung an den Staat gemeint hätten, sollten sie in einem Netze vonGesetzen eingefangen werden, das sie selber für sich weben mußten.
Ein Central-Consistorium mit einem Großrabbinen sollte einehierarchische, dem kirchlichen System nachgebildete Centralisation bildenund lediglich zu seiner Aufgabe haben, die einzelnen Konsistorien,Rabbinen, Synagogen und Gemeinden zu überwachen. Diese wiederumsollten die Polizei für die einzelnen Juden abgeben, daß die demKaiser genehmen Synhedrial-Beschlüsse befolgt werden, und ganz be-sonders daß die jüdischen Behörden dem Wucher steuern und jedes
i) Vom 17. April 1787, vgl. Rönne und Simon, Die frühern und gegen-wärtigen Verhältnisse der Juden in sämmtl. Landsstheilen des preuß. Staates.S. 292 f.
') S. Note 6.