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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Das jüdisch-französische Sanhedrin.

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zu versehen, und würdig seien, mit der Versammlung in Verbindungzu treten. Damit dieses erneuerte Sanhedrin den durch die Geschichtegeheiligten, ehrwürdigen und imposanten Charakter erhalte, sollte esvollständig nach dem Vorbilde des alten gebildet werden, ans einund-siebzig Mitgliedern bestehen, und zwar mit einem Vorsitzenden (Xasi),einem ersten Beisitzer (^d Lst-Oin) und einem zweiten Beisitzer(Odasdam). Beim Anhören dieser Rede war den Deputirten zuMuthe, als wenn sie plötzlich die alte Herrlichkeit Israels aus derGruft auftaucheu und feste Gestalt annehmen gesehen hätten. Siewaren drei Monate vorher znsammenberufen worden, um ihr gefährdetesBürgerrecht zu retten, und nun wurde ihnen eine Aussicht eröffnet,ihre glänzende Vergangenheit in der Gegenwart auferstehen zu sehenund dabei zu helfen. Sie waren förmlich geblendet und betäubt davon.Wer diesen Restaurations-Gedanken beim Kaiser angeregt hat, istnicht bekannt geworden. War es vielleicht Sinzheim oder Furtado,die öfter von den Commissarien zu Rathe gezogen worden waren?Oder hatte die Schrift Israel Jakobsons^), worin er den Kaiseraufforderte, einen hohen Rath für die europäische Gesammtjudenheitmit einem Patriarchen an der Spitze zu ernennen, ihn darauf gebracht?Oder hatte Napoleon dabei die Absicht, beim Herannahen des Kriegesgegen Preußen die Juden in den ehemals polnischen Provinzen fürsich zu gewinnen, damit sie seinen Heeren Vorschub leisten mögen?Furtado scheint allerdings Kunde von dem Beschlüsse, ein Sanhedrin insLeben zu rufen, gehabt zu haben. Denn seine Erwiderung auf Molosofficielle Ankündigung der Zusammenberufung trug nicht den Charakterder Ueberraschung, vielmehr den eines zurechtgelegten Programms,dem Kaiser auch in Gewissenssachen eine Autorität einzuräumen.

Selbstverständlich ließ es die Versammlung bei Vernehmungdieser Kunde nicht an enthusiastischen Ausrufen nnd Beschlüssen fehlen.Sie genehmigte Alles, was die Commiffare vorgeschlagen oder auchnur angedeutet hatten. Das Sanhedrin sollte zu zwei Dritteln ausrabbiuischen und zu einem Drittel aus Laien-Mitgliedern bestehen,und zwar zunächst aus sämmtlichen Rabbinen der Notabelu-Versammlungund einigen neu zu wählenden. Damit hatte eigentlich die Bedeutungder Versammlung aufgehört, sic spielte nur noch eine Scheinrolle.Höchstens bestimmte sie noch aus eigenem Antriebe die Eröffnung desSanhedrin auf den 20. October. Zwei Wahlen hatte sie noch vorzunehmen:fünfundzwanzig Laienmitglieder aus ihrem Schooße für das Sanhedrin

*) I,ss Premiers xos äs Io, Nation fnivs vers 1s bonbenr sons Iss on-sxivss än A'ronä Zlonorgns dloxolson, Paris 1806, ausgezogen bei Bran,S. 109 f.