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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Das jüdische Parlament.

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als Wenn sie vermöge ihrer Haltung in größerer Achtung bei der christ-lichen Bevölkerung stünden, als die deutschen Juden; dieser Satz wurdedaher gestrichen.

Bei Beantwortung der zwei Wucher-Fragen konnte die Ver-sammlung ebenfalls ein festgewurzeltes Vorurtheil beseitigen und dasJudenthum in ein günstiges Licht stellen: Das pentateuchische Gesetz,die Thora, spreche gar nicht von Wucher, verbiete ihn also wedergegen die Stammesgenossen, noch halte es ihn gegen Fremde für ge-stattet; es spreche lediglich von Zinsnahme, sei es von Geld oder be-weglichem Eigenthum. Die Absicht des Gesetzgebers beim Verbot derZinsnahme überhaupt sei gewesen, das Band der Brüderlichkeit unterden Stammesgenossen zu befestigen und die Gleichheit des Besitzes zubefördern, was auch das Gesetz vom Erlaß- und Jobeljahr bezweckenwolle. In dieses Gesetz sei auch der Fremde, der sich im Landeangesiedelt, eingeschlossen gewesen. Wenn es gestattet sei, dem Fremdenauf Zins zu leihen, so seien darunter lediglich die Ausländer ver-standen, die mit dem Gelde Geschäfie betrieben. In einem solchenFalle gestatte auch der Talmud und die Rabbinen die Zinsnahme vonJuden unter einander bei Gleichheit von Gewinn und Verlust aufbeiden Seiten. Die Versammlung beschloß ihre Beantwortung mitden Worten der Entrüstung:Man kann zwar nicht leugnen, daß

es unter den Hebräern welche giebt, die sich dem von der Religionverbotenen Wucher hingeben, aber in einer weit geringeren Zahl, alsman glaubt. Ist es nicht ungerecht, dieses Lasters 100000 Judenzu beschuldigen?" So lautete die eben so verständige, wie wahreAntwort der Notabeln auf diese Frage. Im Ganzen hat die Ver-sammlung ihre schwere Aufgabe mit Würde und Takt gelöst und demJudenthum nur wenig vergeben.

Inzwischen kam der Geburtstag des Kaisers (15. August) heran,und die Versammlung benutzte ihn, um von Neuem demjenigen ihreHuldigung zu bezeugen, in dessen Hand das Geschick der französischen Judenlag. Die Synagoge von Paris verwandelte sich gewissermaßen in einenGötzentempel, in dem des Kaisers Bild mit Blumen geschmückt hing.Ihm zu Ehren sang man Hymnen in hebräischer und französischerSprache. Drei Rabbinen predigten zur Verherrlichung Napoleons,Andrade in französischer, Segre in italienischer und Sinzheimin deutscher Sprache; der Greis Segre überbot seine Collegen anUebertreibung und Ueberschwänglichkeit. Der Kaiser bezeugte derVersammlung dafür seine volle Zufriedenheit. Zur Audienz wurdesie zwar nicht zugelassen, aber er ließ nach Prüfung der AntwortenSinzheim und noch einigen Deputaten vertraulich durch die Commissarien