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Geschichte der Juden.
Rabbinen, der greise Salomon Lipmann und der kabbalistische Nepi,auch manche Laien empfanden Gewissensunrnhe bei dieser Frage, dieso tief in das Fleisch des Judenthums einschnitt. Jndeß auch dieFrommen fühlten es, daß es äußerst bedenklich sei, sie unbedingt zuverneinen. Aber die Commission hatte sie vorher geschickt beantwortet,und wenn Sinzheim auch daran gearbeitet hat, so macht es seinemVerstände und seinem Takte viele Ehre. Im Eingänge wurde kluger-weise auseinandergesetzt, daß von biblischem Standpunkte aus nur dieEhe mit den kanaanitischen Völkerschaften verboten sei. Selbst vomStandpunkte des Talmud wären Mischehen gestattet, da auch er dieeuropäischen Völkerschaften nicht als Götzendiener betrachte. DieRabbinen würden allerdings gegen eine solche Verbindung sein, dabei einer solchen Eheschließung die erforderliche Ceremonie nicht ange-wendet werden könne. Sie, die Rabbinen, würden demnach Anstandnehmen, eine solche Mischehe einzusegnen, ebenso wie die katholischenPriester dabei ihre Mitwirkung versagen würden. Diese Weigerunghätte aber keine Folge, da der Staat die Civilehe anerkenne. Jeden-falls erkennen selbst die Rabbinen einen Juden oder eine Jüdin, dieeine Mischehe eingehen würden, als volle Religionsgenossen an. DieseErklärung schien indeß den Frommen zu nachgiebig; es entspann sicheine hitzige Debatte dabei. Mehrere wünschten, daß die Rabbinenganz allein darüber entscheiden mögen, da es eine rein religiöseFrage sei, wie denn auch über eine astronomische Frage z. B. nurSachkundige vernommen werden würden. Ein Sturm erhob sich gegendieses Verlangen. Ein Rabbiner (Andrade?) hatte den Mnth, ge-legentlich auszusprechen, daß das Judenthnm entstellende Zusätze ent-halte, die ihren Grund im Aberglauben haben. Indessen einigte sichdoch die Versammlung über die Formel der Antwort, und damit wardie größte Schwierigkeit überwunden.
Die übrigen Fragen wurden ohne Aufregung in zwei Sitzungen(7. und l2. August) erledigt. Die Fragen, ob die Juden die Franzosenals ihre Brüder und Frankreich als ihr Vaterland betrachteten, be-antwortete die Versammlung mit einem lauten, enthusiastischen Ja. Siekonnte sich dabei auf das Judenthum berufen, das in seinen drei Phasen,der biblischen, talmudischen und rabbinischen, die Menschenliebe und dieBrüderlichkeit an die Spitze stellt. Von dieser starken Seite des Jnden-thnms aus konnte die Versammlung alle die dummen Vornrtheile oderdie Verlogenheit ihrer Gegner, daß das Judenthnm Christenhaß predige,in ihr Nichts zurückweisen. Nur ein einziger Punkt in dem Entwürfe derCommission gab Veranlassung zu einer gewissen Aufregung, der Punkt,welcher den portugiesischen Inden eine Art Vorzug einzuräumen schien,