260
Geschichte der Juden.
mit unvergänglichem Griffel, frohen Blickes in dauerndes Erz eingräbt,was der Held seines Jahrhunderts that, um die Scheidewand nieder-zureißen, welche alle Nationen des Erdbodens von den zerstreutenUeberbleibseln eines der ältesten Völker des Erdbodens trennte."Aufrichtiger, männlicher und auch wärmer war die Rede, welche BerrIsaak Berr in dieser Sitzung gehalten hat. Furtado vertrat die Juden,aber nicht das Judenthum; er hatte zu verstehen gegeben, daß dieVersammlung es sich zur Pflicht und Ehre rechnen würde, sich jedemWinke des Kaisers zu fügen; Berr lieh auch dem Judenthum dasWort und ließ es würdig auftreten: „Mehr als siebzehn Jahr-hunderte sind seit jener ewig denkwürdigen Epoche verflossen, wo durchfremde und siegreiche Legionen das jüdische Volk unterjocht ward, seinzinsbarer Zustand sich in einen sklavischen verwandelte, und der Sturmdes Unglücks es nach den vier Enden des bewohnten Erdballs zer-streute. Immer unglücklich und verfolgt, immer treu dem Glaubender Väter, nicht Martern, nicht den Tod scheuend, bietet es noch heutedas Ehrfurcht einflößeude, der menschlichen Vernunft unbegreifbareSchauspiel einer unbeweglichen Säule dar, die der einreißenden Fluthder Jahrhunderte widerstanden hat. Und wenn der Ursprung diesesVolkes in der Wiege des menschlichen Geschlechts zu suchen ist, soscheint es, daß seine Trümmer erst mit dem letzten menschlichen Wesenuntergehen sollen. Während unseres Unglücks und unserer Sklavereiwar es nicht bloß der religiöse Glaube, der unsere Väter auszeichnete;selbst mitten in der Unterdrückung glänzte oft das Licht der Wissen-schaften, das heilige Feuer der Tugend der unglücklichen Israeliten...Als Franzosen und als Juden wollen wir uns dem Erguß unsererHerzen überlassen. Laßt uns schwören beides zu bleiben: Franzosen,indem wir mit Eifer das von uns geliebte Vaterland vertheidigen,und Juden, indem wir den religiösen Gesetzen und dem Glaubenunserer Väter treu bleiben. Als Beides wollen wir unserem erhabenenKaiser und König ewige Liebe schwören ^). Die Beantwortung derFragen wurde einer Commission überwiesen, zu welcher außer demPräsidenten, dem Sekretär und den Scrutatoren die vier ausgezeichnetstenRabbinen Sinzheim, Andrade, de Cologna und Segre und diezwei gelehrten Laien Isaak Berr und Lazare gehörten.
Diese Commission übertrug die Hauptarbeit dem Rabbinen DavidSinzheim, dem gelehrtesten und geachtelten Mitgliede der Versammlung,
l Berrs Rede steht bei ll?ama und Bran (S. 211 f.) nicht in chronolo-gischer Reihenfolge; es ist auch nicht dabei angegeben, daß er sie in Gegenwartder Commissarien bei Vorlage der zwölf Fragen gehalten hat, was doch ausdem Schluffe derselben folgt.