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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
Seite
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einem alphabetisch-geordneten Namensverzeichniß der jüdischen Schrift-steller alter und neuer Zeit zeigte. Obwohl er die Gründe gegen dieKabbala recht gut kannte, blieb Nepi doch dieser Afterlehre treu. Erhätte nicht ein Jota von dem rabbinischen Judenthum anfgegeben,aus Furcht, damit in der Himmelsordnung, wie er auf Grund derKabbala wähnte, alles unterste zu oberst zu kehren. Sein Gesinnungs-genosse war der Depntirte Jakob Israel Carmi, Rabbiner vonReggio, der ihm indeß an Gelehrsamkeit bei weitem nachstand.

In der zweiten Sitzung (29. Juli) überreichten die drei kaiser-lichen Commissäre feierlich zwölf Fragen, welche die Versammlunggewissenhaft beantworten sollte. Die Hauptpunkte waren, ob diefranzösischen Juden Frankreich als ihr Vaterland, die Franzosen alsihre Brüder, die Staatsgesetze als auch für sie verbindlich betrachteten,als Folgerung die einschneidende dritte Frage:Erlaubt das jüdischeGesetz Mischehen mit Christen?" und endlich, ob es den Wucher gegenNichtjuden gestattet oder verbietet. Die übrigen Punkte in Betreffder Vielweiberei, der Ehescheidung, des Verhältnisses der Rabbinen,waren untergeordneter Natur. Die meisten Mitglieder konnten beimAnhören dieser Punkte ein Gefühl der Gekränktheit nicht unterdrücken,daß ihre Vaterlandsliebe und ihre Anhänglichkeit an Frankreich nochin Frage gestellt waren, obwohl Juden sie mit ihrem Blute aus Schlacht-feldern besiegelt hatten. Von vielen Seiten wurden bei dieser FrageStimmen laut:bis in den Tod." Die Anrede welche Mols beiUeberreichung der zwölf Fragen hielt, war äußerst kühl und zum Theilverletzend. Der Inhalt war ungefähr: Die Klagen welche gegen ver-schiedene Juden erhoben wurden, seien begründet; der Kaiser habe sichindeß nicht begnügt, die Fortsetzung des Uebels zu hemmen, er wolledie Mittel zur Abhilfe von den Deputirten vernehmen. Auf die ihnenvorgelegten Fragen sollten sie die Wahrheit ganz und vollständig geben.Der Kaiser gewähre ihrer Berathung volle Freiheit; aber er wünsche,daß sie Franzosen seien und bedenken mögen, daß sie dieser Ehre ent-sagen würden, wenn sie sich ihrer nicht würdig zeigten. Die Ver-sammlung wußte nun, woran sie war. Sie war vor eine Alternativegestellt, zwischen Verzichtleisten auf Gleichberechtigung und Schädigungdes Judenthums.

Furtado wußte indeß sehr geschickt in einer Erwiderung auf dieRede des Commissars das Mißtrauen des Kaisers in einem Scheinvon Vertrauen zu verwandeln: daß den Juden die Gelegenheit, dieseFragen zu beantworten, äußerst erwünscht sei, um so einen Jrrthumaufdecken und einer Menge von Vorurtheilen gegen sie ein Ende machenzu können.Ich sehe im Geiste den Genius der Geschichte, wie er