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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

bürgerung unwürdig seien. Die jüdischen Deputaten hatten vollaufzu thun, sich der Angriffe gegen sie zu erwehren^). Inzwischen warendie Deputirten aus dem Königreich Italien welche durch ihre Haltungeinen wohlthnenden Eindruck machten, vollzählig eingetroffen. Auchunter ihnen waren Spuren der Zeitrichtung, Verschiedenheit derreligiösen Anschauungen und Ueberzeugnngen, wenn auch nicht sogegensätzlich und schroff wie unter den französischen und deutschenJuden, zu erkennen.

Der Bedeutendste unter den italienisch-jüdischen Deputirten warAbraham Vita di Cologna (äs OoloZiis, geb. 1755, starb in Triest1832 2). Zugleich rabbinisch und wissenschaftlich gebildet, von ein-nehmendem Aeußern und von sprudelnder Beredtsamkeit, wurde erals Rabbiner von Mantua in das Parlament des Königreichs Italiengewählt. Sein talmudisches und profanes Wissen war indeß wederumfangreich noch tief. Cologna neigte sich der neuen Richtung zu,welche das Judenthum aus seiner Absonderung reißen wollte, um ihm ein,so zu sagen, europäisches Gepräge aufzudrücken, aber Weg und Zielwaren ihm gleich unklar, und er blieb beim Wollen stehen. Auch einälteres Mitglied der italienischen Notabeln, Josua Benzion Segre(geb. um 1720, starb 1809^), zugleich Grundbesitzer, Rabbiner undMunicipalrath von Vercelli, war für wissenschaftliches Streben ein-genommen und huldigte dem Neuen, obwohl er Nachkomme jenes Segrewar, welcher eine so zähe Anhänglichkeit an den falschen MessiasSabbata'i Zewi bewahrt hattest. Die kabbalistische Verirrung hattedamals unter den kundigen italienischen Juden noch viele Anhänger,obwohl die ersten Bekämpfer derselben von Italien ausgegangeu waren.Aber Benzion Segre selbst war ihr abgeneigt. Dagegen lebte undwebte in der Kabbala der italienische Depntirte Graziadio (Chananel)Nepi, Rabbiner und Arzt von Cinto (geb. 1760, starb 1836st. Erbesaß eine erstaunliche Belesenheit in der jüdischen Litteratur, die er in

9 Vgl. die Entgegnungen Simon Mayers v. 30. Juli 1806 bei lama,IntroLustiou und bei Bran S. 133.

st S. über ihn Xrabive3 Israslites von Cahn, Jahrg. 1840, S. 32. Er warMitarbeiter des Israelils Xrangam unter der Chiffre: 1s 6b. 6. I!.. Le 0.(Obsvalier, 6ra.uL-Ilabbin Ls OoloAus). Außer Predigten und apologetischenSchriften hat er eine Elegie auf den Tod des Königs Josia von Tremuel insHebräische übersetzt.

st Nepi-Ghirondi, Biographien x. 107 dir. 6, p. 207 dir. 217.

st Vgl. B. Xg, S. 423.

st Nepi hat ein Verzeichniß der jüdischen Autoren unter dem Titelbnia- angelegt, die Ghirondi ergänzt hat, erschienen Triest 1853. Ich citirediese Schrift unter Nepi-Ghirondi, Biogr. lieber Nepi selbst s. das. p. 115, Xr. 24..