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Geschichte der Juden.
summen und brachten die Gegensätze und Schattirungen zum Vorschein,welche sich in der Judenheit seit einem halben Jahrhundert durch denWechsel der Zeiten ausgeprägt hatten, Abstufungen von dem staats-männischen Furtado, der in die Revolution verwickelt gewesen war,bis zu de» Rabbinern, welche ihr Lebelang in talmndischen Lehrhäusernzugebracht hatten. Alle diese sollten zusammenstimmen. Sie konntenanfangs einander nicht verstehen. Aushilflich mußten deutsche unditalienische Dolmetscher zugezogen werden. Sollte die erste Kund-gebung der jüdischen Deputirten mit Verletzung des Sabbats beginnen?Oder sollten sie sich ans die religiöse Satzung berufen und den Juden-feinden einen Anhaltspunkt für ihre Behauptung liefern, daß dasJudenthnm mit der Ausübung der Bürgerpflichten unverträglich sei?Diese wichtige Frage beschäftigte die Mitglieder aufs lebhafteste.Die Rabbiner und die Partei des Berr Isaak Berr waren entschiedendafür, die erste Sitzung aufzuschieben oder wenigstens die Wahl andiesem Tage nicht vorzunehmen. Die weniger bedenkliche Partei, diePolitiker, bestanden im Gegentheil darauf, dem Kaiser tatsächlich denBeweis zu liefern, daß das Judenthum sich den obrigkeitlichen Gesetzennnterzuordnen wisse. Die Verhandlungen darüber waren heftig. Dermilde Lazare wußte indeß die Gemüther zu beruhigen und eine Aus-gleichung herbeizuführen Z.
So versammelte sich gewissermaßen das erste jüdische Parlamentin Paris in einem mit passenden Emblemen ausgeschmückten Saaledes Stadthauses am Sabbat. Die Deputirten waren vollzählig er-schienen; einige derselben waren mit einer gewissen Absichtlichkeit zuWagen augekommen. Noch einmal versuchten einige Gewissenhafteunter ihnen die erste Verhandlung zu verschieben; aber vergeblich.Die Furcht vor Napoleons Machtspruch lähmte auch solche, die es sonstnicht so leicht mit den religiösen Satzungen nahmen. Unter dem Vor-sitze des Alterspräsidenten, des Rabbiners Salomon Lipmann vonColmar, wurde der Wahlakt vorgenommen. Die Frommen hattenbereits fertige Wahlzettel mitgebracht, die Uebrigen schrieben vor denAugen der Rabbinen ungescheut, Andere ließen für sich schreiben. Nurzwei Männer eigneten sich für den Vorsitz: Berr Isaak Berr undFurtado, jener bewährt als unermüdlicher Vertheidiger seiner Glaubens-genossen, und dieser gewiegt in parlamentarischen Formen, beide durchihre Persönlichkeit und ihre Stellung Achtung gebietend. Jener wurdevon der frommen Partei, und dieser von der politischen bevorzugt.Furtado erhielt die Stimmenmehrheit, von 94 Stimmen 62; die
*) Aus einem Schreiben aus Paris bei Brau a. a. O. S. 77 f.