Das jüdische Parlament.
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durch die auf einander folgenden Herrscher und wechselnden Stiminungenund Ansichten unterworfen war. Die jüdische Geschichte erhielt da-durch gewissermaßen ein officielles Siegel. Daß sie vielfach gefälschtund entstellt in die große Welt eingeführt wurde, war nicht zn ver-wundern. Sie litt unter der Verkennung ihres Stammes, und eswar damals Niemand im Stande, ihre Ehre zu retten, sie in ihren:eigenen Lichte zn zeigen. Sie war noch in demselben Zustande, inden sie Basnage ein Jahrhundert vorher gebracht hatte, in dem siehalb Mitleid und halb Verachtung einflößt. Auch die jüdische Religionoder das Judenthum wurde officiell, gewissermaßen auf des KaisersBefehl, auseinandergesetzt mit fast noch größerer Verkennung als diejüdische Geschichte. Hier war Basnage und dort der Rabbiner Leonde Modena, der halbe Zweifler (B. Xg, S. 128), als Gewährs-mann für den niederen Stand des Jndenthnms angerufen i). ZweiPunkte wurden mit besonderer Betonung hervorgehoben: die religiös-sittliche Absonderung der Juden von der übrigen Welt und der Wucherderselben zum Nachtheil der Andersgläubigen als vom jüdischen Gesetze,wenn auch nicht vorgeschrieben, so doch geduldet. „Wie läßt es sichsonst auch erklären", heißt es zum Schlüsse des officiellen Berichts,„daß die Juden, die heut zu Tage wuchern, beinahe alle am religiösestensind und die Vorschriften des Talmud aufs genaueste befolgen?" DieSchlußfolgerung lautet so unwahr als nur möglich: „Sehen wir nichtdie portugiesischen Inden, die sich vom Wucher rein erhalten, demTalmud weniger Folge leisten? Hatten die ausgezeichneten Juden inDeutschland, ihr berühmter Mendelssohn, große Ehrfurcht vor denRabbinen? Diejenigen endlich, die unter uns sich den Wissenschaftenwidmen, sind das fromme Juden?" So wurde das talmudische Juden-thum von neuem als Sündenbock hingestellt, allerdings nicht mit der-selben Gehässigkeit wie in Deutschland, aber doch belastet genug, undnoch dazu vor einem so öffentlichen, so zu sagen, vor einem europäischenTribunal.
An demselben Tage, an dem die Juden das Tagesgespräch inParis abgaben, versammelten sich die Deputirten im Hause des OlryHohem Worms, um eine Gewissensfrage zu entscheiden. Die ersteofficielle Versammlung sollte am Sonnabend stattfinden, und ihr erstesGeschäft sollte sein: die Wahl eines Vorsitzenden und der Sekretäredurch geschriebene Zettel vorzunehmen. Hier kamen zum erstenmaldie Vertreter der französischen, deutschen und italienischen Juden zu-
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