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Geschichte der Juden.
zurückweisen und die blinden Vorurtheile gegen Bekenntniß und Be-kenner zerstreuen — eine schwere, aber dankbare Aufgabe. Unter ihnenwaren Männer, die bereits einen Namen hatten: Berr Isaak Berr,der mit Feuereifer für seine Stammesgenossen aufgetreten war undsich nun berufen fühlte, dem von ihm geschaffenen Werke die Kroneaufzusetzen; sein vielversprechender Sohn Michel Berr, der denAufruf an die Fürsten und Völker erlassen hatte, die Juden aus derKnechtschaft zn erlösen so. S. 2201. Auch Abraham Furtadoder ehemalige Parteigänger der Girondisten, der wegen seiner politischenHaltung gelitten hatte, war ein Mann von edelster Gesinnung undvon weitem Blick. Seine Geburtsgeschichte hat einen interessantenHintergrund i). Seine Eltern waren Marranen in Portugal, abertrotz zweihundertjähriger Anschmiedung an die Kirche hatte seine Mutterihren Ursprung und ihre Anhänglichkeit an das Judenthum nicht ver-gessen. Als das fürchterliche Erdbeben Lissabon in einen Trümmer-haufen verwandelte, wurden Fnrtados Eltern mit verschüttet, derVater erschlagen und die Mutter in gesegneten Umständen in ein Grabeingeschlossen. Sie hatte gelobt, daß, wenn sie Gott aus dieser Gefahrbefreien sollte, sie keine Gefahr scheuen und zum Judenthum zurück-kehren würde. Zufällig vorüber ziehende Soldaten öffneten ihr dasTrümmergrab. So konnte sie den Ort der Schauer verlassen, nachLondon entkommen und sich zum Judenthum bekennen. Hier gebarsie ihren Sohn Abraham, den sie jüdisch erzog. Abraham Furtadoverstand die hebräische Litteratur; er sammelte Material zn einerjüdischen Geschichte und hatte sich in das Buch Hiob vertieft; abersein jüdisches Wissen war dilettantenmäßig erworben und ohne Gründ-lichkeit. Sein Lieblingsfach waren die Naturwissenschaften. Vor derRevolution gehörte er der Commission an, welche Vorschläge zurVerbesserung der Lage der französischen Juden machen sollte. Währendder Schreckensherrschaft und als Anhänger der Girondisten-Parteiwar sein Vermögen confiscirt worden und selbst sein Leben in Gefahrgerathen (o. S. 204). Sein Fleiß hatte es indeß dahin gebracht,daß er wieder Grundbesitz in Bordeaux ankaufen konnte. Nächst Berrdem Aelteren und Jüngeren war Furtado eine Zierde der Ver-sammlung. Er besaß große Beredtsamkeit und richtigen Takt füröffentliche Angelegenheiten.
Eine sehr glückliche Wahl war die des Rabbiners Joseph DavidSinzheim aus Straßburg (geb. 1745, starb 18122), des Sohnes des
ff Anonyme Biographie Furtados in holländischer und französischer Sprache^rebives Israslitss, Jahrg. 1841, p. 361 f.
ff Bis zum Jahre 1799 gab Sinzheim selbst seine biographischen Notizen