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Sinzheim.
Rabbiners von Trier. Es war ein Mann von fast patriarchalischemWesen, von sittlichem Ernst und liebenswürdiger Milde. Von Hauseaus vermögend und Schwager des reichen Cers Berr, trieb Sinzheimdas Talmudstndium nicht um Lohnes willen, sondern ans Neigung,und war ein abgesagter Feind der Polnischen klügelnden und witzelndenMethode, welche so viel Verwilderung über die Juden gebracht hat.Hätte Sinzheim wissenschaftliche Kenntnisse besessen, so hätte er diekritische Behandlung des Talmud angebahnt. Seine Belesenheit inder talmudischen und rabbinischen Litteratur war erstaunlich; nur Ver-standestiefe ging ihm ab. Für andere Wissensfächer hatte er nach seinerganzen Erziehungsweise wenig Verständnis; aber er hatte wenigstenskeine Antipathie dagegen. Gleich Elia Wilna in Polen verlegte sichSinzheim auf die Vereinfachung des Talmudstudiums. Schon.in seinerJugend ging er den Talmud in diesem Sinne durch, verbreitete dieseMethode in dem von seinem Schwager Cers Berr in Bischheim ge-gründeten Lehrhause unter Jüngern und Genossen und verpflanzte siebeim Beginn der Revolution nach Straßbnrg. Während der Schreckens-herrschaft, welche dis Juden in dem judenfeindlichen Straßburg be-sonders hart traf (o. S. 206), hatte er flüchtig werden müssen undkonnte erst nach der Wiederherstellung der Ruhe dahin zurückkehren.Die Zahl der Juden hatte inzwischen unter dem Direktorium unound Napoleon zugenommen; sie hatten sich zu einer Gemeinde zu-sammengeschlossen und Sinzheim zu ihrem ersten Rabbiner ernannt.Von da aus wurde er zur Notabelnversammlnng nach Paris berufen.Er galt unter den französischen Juden als der bedeutendste Talmudistund wurde Führer der frommen Partei.
Geachtete Persönlichkeiten in dieser Versammlung waren nochseine Neffen Baruch, Lipmann und Theodor Cerfberr. NebenSinzheim zählten unter den Rabbinen nur der portugiesische RabbinerAbraham Andrade aus Saint-Esprit. Die Laien hatten aber dasUebergewicht. Unter diesen nahm eine geachtete Stellung ein Isaak LouisMay, welcher sechs Jahre in der französischen Armee mit Auszeichnunggedient, sich das Zeichen der Ehrenlegion verdient hatte und dann inZurückgezogenheit bei Neufchatel die Landwirthschaft mit musterhafterGeschicklichkeit betrieben hatte; ferner Simon Mayer aus Paris, früherebenfalls Soldat und zur Zeit Aufseher bei der Militärverwaltung, derdie Feder eben so gut wie das Schwert zu führen verstand und damitseine Stammesgenossen gegen Verunglimpfung vertheidigte; Olry
in 111 i'; seine Biographie bei Onrmol^, Ilevne orientale, II, p. 340 muß hinund wieder berichtigt werden.