Ränke gegen die französischen Juden. 249
italienischen, sondern sämmtlicher europäischer Juden hing von demAnsgang dieser Berathung ab. Denn wenn die Gleichstellung denJuden dieser Länder auch nur geschmälert worden wäre, und zwaraus dem Grunde, weil sie vermöge ihrer Religion und ihrer Haltungunwürdig dazu wären, so wären sie in andern Ländern auf langeZeit hinaus in Verachtung und Bedrückung verblieben. Die Sitzunggestaltete sich auch recht stürmisch. Unglücklicher Weise wollte einjüngst ernannter Staatsrath Beugnot, welcher in einer früheren Bc-rathung in Abwesenheit des Kaisers mit vielem Geist und Geschickzu Gunsten der Juden gesprochen und Beifall geerntet hatte, vondiesem Erfolge berauscht, seine Beredtsamkeit auch vor dem Kaiserglänzen lassen. Statt staatsmännisch nüchtern zu sprechen, verfiel erin Deklamation und gebrauchte noch dazu die unglückliche Wendung:daß den Juden das Bollbürgerrecht entziehen einer verlornen Schlachtauf dem Felde der Gerechtigkeit gleichkäme. Napoleon gerieth dadurchin eine gereizte Stimmung. Ton und Inhalt von Bengnots Redewaren ihm gleich zuwider. Es verdroß ihn, daß seine Voreinge-nommenheit gegen die Juden als unberechtigt angesehen wurde. Ueber-hanpt war er aufgebracht darüber, daß Principicn geltend gemachtwurden, während er, ein Feind aller Theorieen, der Cagliostro, denErzschwindler, und Kant, den großen Entdecker im Reiche der Gedanken,gleich und die katholischen Priester noch über diese stellte, nur ansdas Nützliche Werth legte. Er war daher gegen Beugnot leidenschaftlicherregt, sprach heftig gegen die Theoretiker und Principienreiter undberauschte sich selbst an seinen Worten. Er sprach von den Judenfast wie Fichte, Grattenauer und Buchholz, daß sie einen Staat imStaate, den Feudaladel der Gegenwart, bilden, und daß man sie nichtin eine Reihe mit Katholiken und Protestanten stellen dürfe, weil siekeine Bürger des Landes und noch dazu gefährlich wären. Mandürfe nicht den Schlüssel Frankreichs, Elsaß und Straßönrg, in dieHände einer Bevölkerung von Spionen fallen lassen. Es wäre klug,nur 50000 Juden am Ober- und Niederrhein zu dulden, die klebrigenin Frankreich zu zerstreuen und ihnen den Handel zu verbieten, weilsie ihn durch Wucher besudelten, und dergleichen Anschuldigungen mehr,die ihm von den Judenfeinden angeflogen waren. Indessen wagtendoch zwei Staatsräthe von Bedeutung, Regnault und Segür, zuGunsten der Inden, oder vielmehr der Gerechtigkeit, zu sprechen. Siemachten darauf aufmerksam, daß die Juden in Bordeaux, Marseilleund in den italienischen Städten, die zu Frankreich gehörten, sowiedie in Holland wohnenden in großer Achtung stünden, und daß dieVergehungen, die den Elsässer Inden zugeschrieben wurden, nicht dem