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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

denen Beifall, welche überhaupt die Zeit zurückschrauben wollten unddrang auf Umwegen auch in Napoleons Ohr. Die französische Juden-schaft erkannte die Tragweite dieser Wühlerei gar nicht; sie meinte,daß es sich bloß um die jüdischen Wucherer im Elsaß handele undnicht um ihrer Aller Ehre, Stellung und Sein. Sie traten nichtenergisch genug dagegen auf. Nur ein Schriftsteller aus Bordeaux,Mo'ise Pinado fertigte Bonalds Bosheiten und Sophistereien ab^).

Die Sache hatte aber eine sehr ernste Wendung genommen.Napoleon hatte die Frage dem Staatsrathe zu gründlicher Berathungübergeben, und dieser hatte die Berichterstattung einem jungen Mit-gliede, dem Grafen Mols, übergeben der als Muster zweideutigerHaltung in der späteren französischen Geschichte bekannt geworden ist.Zur Ueberraschung aller älteren und gewiegteren Staatsrathsmitgliederhatte Mols, dessen Urgroßmutter eine Jüdin war, dem Bericht eineaußerordentlich judenfeindliche Färbung gegeben und war zum Schluffegelangt, daß sämmtliche französische Juden Ausnahmegesetzen unter-worfen werden müßten, d. h. nichts weniger, als daß ihre gesetzlichanerkannte und thatsächlich eingeführte Gleichstellung wieder aufgehobenwerden sollte. Sein Bericht wurde allerdings von den ältesten Räthenmit verdienter Verachtung ausgenommen, weil diese von dem Gleich-heitsprinzip, das die Revolution geheiligt hatte, so durchdrungen waren,daß sie sich nicht denken konnten, wie man einen ans Zahlung klagendenGläubiger nach seinem Glaubensbekenntuiß fragen sollte. Sie ver-mutheten, daß der angehende Staatsmann mit den RückschrittlernFontanes und Bonald unter einer Decke steckte und deren reaktionäremBestreben die Juden zuerst als Opfer bringen wollte. Er scheint aberdem mächtigen Kaiser zu Gefallen diesen Ton angeschlagen zu haben,weil er wußte, daß dieser den Juden abhold war. Obwohl sämmtlicheRäthe für die ungeschmälerte Fortdauer der Gleichberechtigung waren,so sollte die Judenfrage doch in voller Sitzung des Staatsrathes unterdem Vorsitz Napoleons (30. April 1806) verhandelt werden, weildieser großes Gewicht darauf legte.

Es war ein schicksalsschwerer Augenblick, in welchem diese solange bereits entschiedene Frage noch einmal hin und her erwogenwerden sollte. Das Wohl und Wehe nicht bloß der französischen und

*) vivKsus g?ama bemerkt in der Einl. zu llevusil sto. No'iss bttuackoäs Lorcleanx g. rspouäu L 1a ckiatribs äs Loualck sie. Justin-Lamoureuxschrieb in derllsvus xbilosoxbiMs, bei Bran, Aktenstücks, S. 1b.: Nodrigueshat eins vortreffliche Widerlegung eines Artikels von Bonald gegen die Judengeschrieben. Waren es zwei oder sind sie identisch? Die Vertheidigungsschrifthabe ich nicht erlangen können.