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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Bonald's Verleumdungen.

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Kirche brauchte. In einem Blatte, das er mit Chateaubriand ge-meinschaftlich zur Erhebung der ultramontanen Macht unterhielt,eiferte er gegen die Juden mit sophistischer Beredsamkeit. Er frischtealle Gehässigkeiten gegen sie auf und spitzte seine Anschuldigungengegen sie zu der Behauptung zu, daß ihr niedriger moralischer Zustandsie der Gleichstellung unwürdig mache ^). Bonald hatte zwar den Krieggegen die Philosophen eröffnet und bemerkt, diese hegten nur deswegenWohlwollen gegen die Inden, um das Christenthum zu vernichten, dasin der Niedrigkeit der Letzteren den Beweis seiner Größe habe, lobteaber dennoch Voltaire, den Fürsten der Philosophen, weil er dieJuden mit seinem Hasse verfolgt hatte. Er beneidete die Deutschen,daß sie, vernünftiger und vorsichtiger als die Franzosen, den Judenhöchstens den Leibzoll abgenommen, im Uebrigen aber sie in ihremalten Drucke gelassen haben. Er tadelte die Nationalversammlung,daß sie ihnen alle Rechte eingeräumt hatte, ohne zu bedenken, daß diefranzösischen Juden, vom Joche befreit, sich leicht in Einverständnißmit ihren Stammesgenossen anderer Länder setzen, allen Einfluß undalle Reichthümer an sich reißen und die Christen knechten könnten.Bonald spritzte wiederum jenes Gift der Verleumdung aus, welchesder feile und gewissenlose Elsässer vor der Revolution in einer Schriftausgespieen hatte (o. S. 59.) Auch judenfresserische Schriften indeutscher Sprache führte er gegen sie an. Sein Refrain war, daßdie Juden auf dem Kriegsfuße mit der Moral stünden, daß sie einenStaat im Staate bildeten, daß die meisten von ihnen Blutsauger undTrödler wären, in deren Menge die Bessergesinuten verschwänden. SeinVorschlag war, daß man die Juden, ehe man sie politisch emancipirenwolle, moralisch oder religiös bessern, d. h. nach seiner erzkatholischeuAnschauung, zum Katholicismus bekehren solle. Bonald schloß seineAnklageschrift mit einem Urtheil, das die französische Nation ebensoherabsetzte wie die Juden:Wenn diese je selbstständig und gesetz-geberisch anftreten sollten, so würde ein jüdisches Sanhedrin keine un-sinnigeren und nichtswürdigeren Gesetze zu Stande bringen, als dieconstitnirende Versammlung der Philosophen fabricirt hat."

Es war für die Zukunft der Juden ein glücklicher Wurf, daßdie Freiheitsfeinde und Stockkirchlichen den Judenhaß auf ihr Programmgesetzt hatten; dadurch zwangen sie die Freunde der Freiheit, die Sacheder Juden zu der ihrigen zu machen. Aber für den Augenblick schadeteihnen Boualds judenfeindliche Stimme nicht wenig. Sie fand bei

r) Der 19 Seiten starke Artikel mit der Ueberschrist: 8ur Iss üuiks erschien8. Febr. 1806 im Ulsreurs lrau^ais.