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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Auftürmung gegen die französischen Juden. 245

stände. In wenigen Jahren belief sich ihr Vermögen an liegendenGründen auf 60 Millionen Fr., wovon sie den Juden etwa den sechstenTeil schuldeten i). Es war den elsässischen Bauern allerdings schwer,baares Geld herauszuziehen, um ihre jüdischen Gläubiger zu befriedigen,zumal in der Zeit, als Bonapartes Kriege die Arme vom Pfluge wegzu den Waffen riefen. Dadurch häuften sich die Klagen gegen dieSchuldner. Das Straßburger Handelsgericht soll allein in den Jahren18021804 Scbuldprozeffe zwischen jüdischen Gläubigern und christ-lichen Schuldnern im Betrage von 800 000 Fr. zu entscheiden gehabthaben. Die verschuldeten Bauern wurden verurtheilt, ihre Felder undWeinberge den jüdischen Gläubigern zu überlassen. Einige jüdischeWucherer mögen allerdings viel Härte dabei gezeigt haben.

Diese Stimmung benutzten die Judenfeinde. Sie verallgemeinertendie Vergehungen der Juden, übertrieben die Leiden der zur Zah-lung gezwungenen christlichen Schuldner und stempelten sämmtlicheInden zu Wucherern und Blutsaugern, um die Gleichstellung derfranzösischen Juden in ihrem Gebiete rückgängig zu machen oder, womöglich, noch Schlimmeres über sie verhängen zu lassen. An derSpitze der Judenfeinde stand wie immer die Bürgerschaft der deutschenStadt Straßburg, welche vergebens Anstrengung gemacht hatte, dieJuden von ihren Mauern fernzuhalten und sie während der Schreckens-herrschaft zu verfolgen. Diese sah mit verbissenem Ingrimm die Zahlder jüdischen Zuzügler zunehmeu. Es gab keinen jüdischen Wuchererin ihrer Mitte, im Gegentheil lauter vermögende, rechtschaffene, ge-bildete Juden, die Familien Cerf-Berr, Ratisbonne, Picard,die meistens vom Grundbesitz lebten. Nichts destoweniger erhobengerade die Straßburger am lautesten Klagen über die Juden, als wennsie durch diese der Verarmung entgegen gingen. Mit den Kanfleutensteckte der Präfekt von Straßburg, ein Deutscher, unter einer Decke.Als Napoleon nach dem hnnderttägigen Feldzuge gegen Oesterreichin Straßburg weilte (Januar 1806), wurde er vom Präfekten undeiner Deputation Elsässer mit Klagen bestürmt, wie schädlich dieJuden dem Staate wären, wie sie sich gleich einem Rabenschwarm aufdie christliche Bevölkerung stürzten, so daß ganze Dörfer in den Besitzjüdischer Wucherer übergegangen und die Hälfte der Besitzungen imElsaß mit Hypotheken jüdischer Gläubiger belegt wären, und dergleichenGehässigkeiten mehr. Napoleon erinnerte sich bei dieser Gelegenheit,daß er auf seinem Kriegszuge bei Ulm einigen Inden, welche den

si Bergt, den officiellen Bericht für den Minister des Innern vom Jahre1810 bei Uasiweu, Ueoneil, x. 326 f.