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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

das so viel Unheil über die Juden gebracht hatte. Deutschland theiltejetzt Polens Loos, es wurde zerstückelt; aber während die Polen vorSchmerz aufzuckten und sich verbluteten, empfanden die vom deutschenRumpfe getrennten Glieder so gut wie nichts bei dieser Zerstückelung.Sie huldigten in gefühlloser Stumpfheit heute diesem, morgen jenemHerrscher. Franz I. entsagte der deutschen Kaiserkrone; deutscheFürsten wurden Vasallen des korsischen Emporkömmlings, der alsProtector des neugestifteten Rheinbundes sie gängelte. Als wennNapoleon bei der Berührung mit den Deutschen von ihrem Juden-hasse angesteckt worden wäre, trat bei ihm seit der Zeit eine Sinnes-änderung gegen die Juden ein. Obwohl er früher Bewunderung fürdas hohe Alter und den Riesenkampf des jüdischen Stammes gehegthatte, zeigte er ihnen seitdem nur eine gewisse Verachtung. Seineungünstige Stimmung gegen die Juden suchten die Deutschen im Elsaßsofort ansznbeuten, um ihn dahin zu bringen, die französischen Judenwieder in die alte Schmach zurückzuversetzen. Zu einer Verschwörunggegen die Juden waren die Deutschen geschickt genug.

Die alten Klagen gegen die Juden des Elsaß hatten die Revo-lutionsstürme zum Schweigen gebracht. Jüdische Gläubiger oderWucherer und christliche Schuldner waren durch die Schreckensherrschaftgleich verarmt, die alte Zeit war abgethan. Als die Ruhe wiederzurückgekehrt war, griffen viele Juden, welche durch ihre Rührigkeitwieder einiges Vermögen erworben hatten, zu ihrem alten Gewerbe.Was sollten sie anfangen? Handwerke und Ackerbau zu erlernen,

konnte den bereits betagten Männern nicht zngemuthet werden. Eswar selbst den jüdischen Jünglingen sehr erschwert, weil die engherzigenchristlichen Meister in der deutsch redenden Provinz jüdische Lehrlingenicht gern annahmen. Eine zahlreiche Klasse der elsässischen Bevölkerungbot den jüdischen Wohlhabenden eine Nahrungsquelle. Die Bauernund Tagelöhner, bis zur Revolution Leibeigene, waren durch dieseallerdings frei geworden, hatten aber keine Mittel, sich Grundbesitzzu erwerben und ihrer Hände Kraft zu gebrauchen. Ihr Vieh undselbst ihr Ackergeräth hatten sie während der Sturmjahre eingebüßt,viele von ihnen waren vor der Anwerbung zum Heere entflohen.Dieser Bauernstand hatte sich bei eingetretener Ruhe an jüdischeWohlhabende mit der Bitte, gewendet, ihm Vorschüsse zu machen, umkleine Parcellen der National-Güter erwerben und bebauen zu können.Die jüdischen Geldmänner waren auf dieses Geschäft eingegangen undhatten sich wahrscheinlich einen hohen Zinsfuß ausbedungen. Die Bauernhatten aber bei alledem ein gutes Geschäft gemacht: denn sie, die ursprüng-lich ganz mittellos waren, brachten es doch zu einem gewissen Wohl-