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Geschichte der Juden.
auf die Verteidigung und auf Abwägung von jüdischen und christ-lichen Verbrechen gar nicht einlassen, sondern einen Aufruf an diejüdischen Mädchen erlassen und ihnen ein Wort der Warnung im Um-gänge mit den Grattenauer'schen Mitbrüdern ans Herz legen. Einejüdische Jungfrau müßte keinen Funken Ehrgefühl haben, wenn siesich von einem Menschen lieben ließe, von dem sie wüßte, daß er beiihr und ihren Schwestern einen üblen Geruch voraussetzte. Ein solcherAufruf würde den doppelten Nutzen haben: jüdische Mädchen vor Ver-führung sicher zu stellen und dem Prunk der jüdischen Frauenwelt zusteuern.
Einen noch richtigeren Weg schlugen zwei andere Juden ein, einKönigsberger und ein Hamburger. Beide erkannten, daß derdeutsche Judenhaß nicht durch centnerschwere Gründe, sondern nurdurch leichten Spott stumm gemacht werden könne. Diese Beiden,ein unbekannter Arzt und ein Vermummter, Lefrank, waren die Vor-läufer von Börne und Heine. Der Erstere unter dem Namen DominiusHaman Epiphanes setzte mit satyrischen Zügen auseinander, daß ohneschleunige Niedermetzelung aller Juden und den Verkauf aller Jüdinnenzu Sklavinnen die Welt, das Christenthum und alle Staaten noth-wendig zu Grunde gehen müßten. Durch den Verkauf der Judenheitwürde das Menschengeschlecht außerordentlich gewinnen; alle moralischenUebel würden dadurch vermindert werden, und der unsterbliche Gratte-nauer, der diese sckwue Idee geweckt und seinen edlen Abscheu vorden Juden fortgepflanzt hat, müßte als Wohlthäter des Menschenge-schlechts überall die verdiente Anerkennung, Ehrensäulen und Tempelerhalten.
Der andere Satyriker, Lefrank, nannte seine Schrift „Belle-rophon" oder „der geschlagene Grattenauer". Das chimärische Un-geheuer „Judenhaß" in Grattenauer wollte er mit einem Pegasus-Ritterlegen. Derb redete er den Judenfresser mit wegwerfendem „Du"an: „Du, der du mit so großem Erfolge die Jurisprudenz auf dieTheologie gepfropft, der du in Halle Salz geleckt — zwar keinattisches —, der du unter dem großen Semler Ignoranz und Stupiditätstudirt hast! — wenn du so stolz auf dein Christenthum bist, daß dumit Verachtung auf die Juden herabblickst, so frage ich dich, woherdeine Gefängnisse von Landesverräthern, Mördern, Giftmischern, Diebenund Ehebrechern so vollgepfropft sind? Vertilge erst die Schaffotte,die Galgen, die Folter, die Spießruthe und das gräßlichste Gefolgemartervoller Todesstrafen, die gerade nicht von Juden erfunden sind. —Entteufle dich, dann wirst du ein Volk bemitleiden, das nicht sich, dasman zum Schacher verdammt hat, und dem man es zum Verbrechen