Die Verteidigungsschriften.
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Unangemessen und wirkungslos waren auch einige Verteidigungs-schriften jüdischer Schriftsteller außerhalb Berlins, welche es dochnöthig fanden, ihre Stimme gegen das allgemeine Gebelle zu erheben.Aaron Wolfssohn, eines der Häupter der Measfim-Schule, damalsInspektor der Wilhelmsschule in Breslau, der in hebräischer Spracheso schlagenden Witz zeigte, bewährte seine Gewandheit keineswegs inder deutsch geschriebenen, „unparteiischen Beleuchtung, Jeschurun",1804. Er meinte, wenn man die Paalzow'schen und Grattenaner'schenLügen Schritt für Schritt mit gelehrter Gründlichkeit widerlegte, könnteman den Judenhaß entwaffnen. Er wußte nicht, daß, wenn die Judenreine Lichtengel wären, sie doch dem Verdammungsurtheil verfallenwürden. Auch Wolfssohn steckte, wie seine Berliner Gesinnungsgenossen,in dem Wahne, daß die Söhne des Evangeliums, weil in demselbeneinige Sentenzen von Menschenliebe Vorkommen, durchweg Tugend-Ideale,die Söhne des Talmud dagegen moralisch verkommene Wesen mären.Daher eiferte auch er für eine Verbesserung der Juden von Seitendes Staates, machte Reformvorschläge und wollte den Behörden Ein-griffe in die innersten Verhältnisse der Juden eingeräumt wissen. DieRegierung sollte z. B. eine Commission niedersetzen, welche den Talmudund die Midrasch-Litteratur genau zu prüfen und alle anstößigen undzweideutigen Sätze daraus zu streichen die Befugniß hätte.
Die Jahrhunderte lang dauernde Abgeschlossenheit der deutschenJuden verdarb diesen das Augenmaß der richtigen Beurtheilung; sieunterschätzten einander, weil sie einander in traulichem Verkehr, inalltäglicher, lässiger Haltung kannten, und überschätzten die christlicheAußenwelt, weil sie dieselbe nur immer im Paradeanzuge sahen. Esist daher nicht erstaunlich, daß Juden selbst in das Gebelle des Juden-hasses theilweise mit einstimmten. Ein Königsberger Jude, der eben-falls eine Art Vertheidigung schrieb: „Ein freundliches Wortfür gänzliches Beilegen des Streites" (1804), erklärte, ein-gestehen zu müssen, daß, wenn er ein Christ wäre, ihm die Judennicht gefallen würden, weil sie steif und fest an einem Gesetze hangen,das sie von der engen Verbindung mit den Nichtjuden zurückhalte.Erbärmlich genug lautete der Vorschlag dieses Königsberger Vermittlers,um den Judenhaß zu tilgen: Jeder Jude müsse von Staatswegen(immer wieder der Staat!) gezwungen werden, mindestens eine seinerTöchter an einen Christen zu verheirathen und einen seiner Söhne umdie Hand einer Christin werben zu lassen. Die Kinder aus einersolchen gezwungenen Mischehe müßten getauft werden. Warum nichtkurzweg die Juden sammt und sonders zur Taufe zwingen? Richtigerfaßte die Sache ein schlesischer Jude an. Er meinte: Man dürfe sich