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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

halten war, verstärkte noch mehr die Wucht der Anschuldigungen gegensie.Was war ein Theil der jetzigen reichsten Inden oder ihre Vätervor zwanzig oder dreißig Jahren? Schacherjuden, die zerlumpt aufden Straßen umherschlichen und den Vorübergehenden mit ihrer Zu-dringlichkeit beschwerlich fielen, einige Ellen Potsdamer Zopfband zukaufen, oder Judenbengel, die, unter dem Vorwände, zu schachern, dieWohnungen der Christen durchschlichen und nicht selten den Eigen-thümern derselben schädlich wurden."

Dieser ebenfalls von dem liebevollen Geist des Christenthumserfüllte Schriftsteller machte Vorschläge, die Juden unschädlich zumacheu, die noch über das Mittelalter hinausgingen.Nicht nurmüßten die Juden wieder in ein Ghetto eingesperrt und unter be-ständige polizeiliche Aufsicht gestellt werden, in Berlin z. B. aufdem Köpniker Felde, und nicht nur einen Flecken von abstechenderFarbe am Rockärmel müßten sie tragen, sondern, um ihre Vermehrungzu verhindern, müßten die zweitgeborneuJudeujungen" castrirt werden".Die protestantische Theologie und die deutsche Philosophie riethen zuMaßregeln gegen die Juden, welche die kanonischen Decrete der PäpsteJnocenz III. und Paul IV. weit hinter sich ließen. Paalzow,Grattenauer, Buchholz und Genossen waren echte Jünger Schleiermachersund Fichtes, welche von Lessing und Kant nichts mehr wissen wollten.

Auch außerhalb Berlins, namentlich in Frankfurt a/M. undBreslau, erschienen ähnliche Schmähschriften, welche den Haß so sehrentflammten, daß einige wohlwollende Geistliche es für nöthig hielten,von der Kanzel herab davor zu warnen, um eine Judenverfolgung zuverhüten. Selbst die wohlwollenden Vertheidigungsschriften christlicher-seits von Kosmann und Ramson (ein Wort für Unparteiische)gaben die Schlechtigkeit der Juden zu und meinten: es wäre allerdingsfür die Christen besser, wenn es unter ihnen gar keine Juden gäbe;aber da das Uebel einmal vorhanden sei, müsse man es ertragen.Die Ehre der Deutschen rettete zum Theil ein Mann, der noch deralten Zeit angehörte. Freiherr v. Diebitsch, früher Major inrussischen Diensten, welchem Menschenliebe kein leerer Schall war.Warm vertheidigte er die Juden gegen die giftigen Ausfälle Gratten-auers und seiner hämischen Genossen (1803 und 1804) und setzte sichkühn dem Gerede der Käuflichkeit aus. Er war bei der allgemeinenEingenommenheit gegen den jüdischen Stamm darauf gefaßt, daß mansein Bild auf einer Sau oder einem Esel reitend, als Carricaturdarstellen werde." Indessen waren seine gutgemeinten, aber steifgehaltenenVertheidigungsschriften nicht geeignet, den Judenfressern den Mundzu stopfen.