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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

in verschiedenen Manieren, malen in allen Farben, tanzen in allenFormen und besitzen alles Einzelne, besitzen aber nicht die Kunst, alledie Einzelnheiten als Ganzes zu einer schönen Weiblichkeit zu ver-binden. Den feinen Takt der großen Welt lernen sie weder in Paris,noch in Berlin, noch in Wien, sie mögen mit Prinzen, Fürsten, Grafenund Herrn umgehen, so lange sie wollen." Das war zwar nicht fein,aber nicht unwahr gegen den Kreis der Herz und Rahel.

Die zwei letzten Schriften Grattenauers wurden von der deutschenLeserwelt noch mehr verschlungen, sie waren noch derber und pikanterals die erste. Es blieb aber nicht bei Grattenauers Schmähschriften.Das Schweigen, welches Mendelssohns ältere christliche Freunde bisdahin den Judenfeinden aufgelegt hatten, war gebrochen, und nunfühlten sich mehrere kleine Voltaires berufen, aus christlicher LiebeSteine auf die Juden zu werfen. Ein Kaufmann veröffentlichteeinWort wider die Juden" (1803), worin er seine Erfahrungen zumBesten gab, daß sämmtliche Juden ohne Ausnahme Gauner seien undzu befürchten wäre, wenn die Freiheit der Inden erweitert würde, alleHauptnahrungsquellen nach und nach in jüdische Hände übergehen,und die Christen zu ihren Knechten und Handarbeitern herabsinkenwürden. Der Vorschlag dieses wohlmeinenden Berliner Kaufmannswar, den Juden freizustellen, entweder das Christenthum anzuuehmenoder sich Einschränkungen gefallen zu lassen oder den Staat zu meidenoder eine eigene Kolonie zu bilden. Ein sich philosophisch geberdenderSchriftsteller, Friedrich Bnchholz, machte noch herbere Vorschläge alsder Geschäftsconcurrenz fürchtende Geschäftsmann. Er übertraf Fichtebei weitem. Auch er stieg in seiner SchriftMoses und Jesus",wie Paalzow, bis iu das graue Alter des jüdischen Volkes hinaus,um zu beweisen, daß die Preußischen Juden wie eine Zigeunerbandeaus dem Lande gejagt zu werden verdienten, kehrte dann wieder zurGegenwart, zu Mendelssohn, zurück und äußerte sich über ihn:WieLessing den Umgang dieses Menschen ertragen konnte, weiß ich nicht;das weiß ich aber, daß zwischen mir und Moses Mendelssohn nie einVerhältniß möglich gewesen wäre, das ihn berechtigt hätte, michöffentlich Freund zu nennen."

Die junge romantische Schule Schleiermachers und Schlegelshatte schon begonnen die Köpfe zu berücken und die Herzen stumpfzu machen. Die Deutschthümelei begann zu spuken und Phrasen zumachen. Die Germanen wurden von Buchholz übertreibendFreiheitund Gleichheit über alles liebende Völker" genannt, welche angeblichdie Sklaverei vernichtet hätten.Zwischen diesen Deutschen, welchenoch dazu das vollkommene Christenthum in sich ausgenommen, und