Grattenauer.
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Dazu kam noch, daß einige Juden den scandalsüchtigen, haßer-füllten Grattenauer geradezu zur Rache reizten. Einige seiner Gläubigerbelangten ihn zur Zahlung, ein anderer ohrfeigte ihn auf offener Straße.Er legte daher allen Zwang ab, den er sich bei seiner ersten Schriftnoch auferlegt hatte, nannte sich mit seinem vollen Namen, überbotsich noch und häufte in zwei neuen Schriften Schmähungen aufSchmähungen gegen das „Judenvolk", „die Judendoktoreu", gegenAlles, was den Namen Jude trug. Er schnaubte förmlich vor Juden-haß und Rache. „Ich soll die Menschenrechte der Juden mit Füßengetreten haben? Ich antworte, daß es etwas Abgeschmacktes, Un-sinniges und Strafbares ist, noch jetzt von Freiheit und Gleichheitoder von Menschenrechten der Juden zu reden. Ein ehrliebender Mannsollte dergleichen jakobinische Blasphemien nimmermehr aussprechenund solche Sanscülottismen nicht über seine Zunge kommen lassen,die nichts beweisen, als daß man ehemals anders dachte als jetzt."
Empfindlich traf sein giftiger Pfeil zwei Kreise der Berliner Juden-heit, welche sich gegen dergleichen Angriffe gefeit glaubten, weil sie sichihres Ursprungs schämten und ihn vergessen machen wollten, die Ge-sellschaft der Freunde, oder „die jüdischen Modenjünglinge", und denSalon der Henriette Herz oder „die jüdischen Schönen". Rauh undschmerzhaft wurden sie an ihren Ursprung erinnert. Die Rache machteGrattenauer beredter als der Haß. Höhnisch schrieb er von den Ersteren:„Die jüdischen Elegants sollen von mir gekränkt sein? Ich weißnicht, wie ich dazu gekommen hin, von Juden-Elegants zu reden. Esgiebt keinen Juden, der elegant ist, wiewohl viele hundert Judenjungenssehr honett sein wollen und auf Eleganz Anspruch machen. Wer aberdiese Eleganz-Prätendenten, die sogenannten Lords vom Stamm Levi,die Baronets vom Stamm Ephraim und die Nobili vom StammeManasse näher kennt, der weiß auch, daß sie die langweiligsten, arro-gantesten, zudringlichsten, unausstehlichsten Gesellen sind; eine wahrePlage der guten Gesellschaft. Von ihren orthodoxen Glaubensgenossenwerden sie Quapecoires >) genannt, das ist Leute, die weder an Gott,noch an das Gesetz Moses, noch an die Rabbinen und den Talmudglauben. Um ihrer Verschwendung willen muß man sie aber hoch-achten, weil diese zur Armuth führt und die Judengewalt zerstört, welchesich nur allein auf unrechtmäßigen Reichthum gründet. Sie sprechenüber Goethe, Schiller und Schlegel mit einer Art von Geistesverrückung".Von den Jüdinnen der gebildeten Kreise schrieb er: „Sie lesen vieleBücher, sprechen mehrere Sprachen, spielen manche Instrumente, zeichnen
U Quapecoires soll heißen Epikoros — Epikuriier, Ketzer.