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Geschichte der Juden.
Dalberg, und endlich durch Empfehlungen von den Fürsten, die ihnschätzen gelernt hatten, gelang es Breidenbach, in der Rheingegendund in Bayern die Wanderfreiheit der Juden durchzusetzen. Selbstder Frankfurter engherzige, judenfeindliche hochedle Rath hatte sichdurch Breidenbachs Bittschrift bewegen lassen, die Aufhebung desLeibzolls an den Thoren und auf der Brücke wegfallen zu lassen.
Infolge des Gesuchs der Juden bei der Reichsdeputation umein wenn auch beschränktes Bürgerrecht, der Geneigtheit einiger Fürsten,die Fesseln zu lösen, und anderer günstigen Anzeichen fing man inDeutschland an zu ahnen, daß das alte Verhältniß der Kammerknecht-schaft sich nicht lange mehr behaupten werde, und diese Ahnung jagteden Judenfeinden einen Schrecken ein. Sie konnten den Gedankennicht fassen, daß die verachteten Juden in Deutschland sich aus ihrerNiedrigkeit erheben sollten. Dieses drückende Gefühl trieb eine ReiheSchriftsteller, meistens Rechtskundige, in verschiedenen Theilen Deutsch-lands wie auf gemeinsame Verabredung, Paalzow, Grattenauer,Buchholz*) und viele Namenlose, mehrere Jahre hindurch (1803 bis1805) dazu, sich mit aller Anstrengung der Erhebung der Juden aus demSklavenstande zu widersetzen. Sie zeigten einen so wutschnaubendenJudenhaß, daß sie an die Zeiten des schwarzen Todes, Capistrano's,Pfefferkorns und der Dominikaner erinnern. Sie erzeugten einenkünstlichen Höhenrauch, um die Verbreitung der Lichtstrahlen zu hindern.Früher waren es meistens die Diener der Kirche gewesen, welche dieJuden brandmarkten. In dieser Zeit übernahmen die Juristen, diePriester der Gerechtigkeit, diese Rolle, um mit Verdrehung des Rechtessie in ihrer Schmach zu erhalten. Fichte hatte gut vorgearbeitel.Sobald die Bittschrift für die Juden der Reichsdeputation in Regens-burg übergeben worden war, setzte ein deutscher Rechtskundiger in Süd-deutschland auseinander, daß die Juden aus tausend Gründen unwürdigseien, als Reichs- und Provinzialbürger ausgenommen zu werden. Diemeisten und hartnäckigsten Vertreter dieser judenfeindlichen Bewegunghatten iudeß ihren Sitz in Berlin, der Stadt der Aufklärung und desSchleiermacher'schen Christenthums. Der Charakter, die Lehre, dieVergangenheit der Juden bis ans ihre Propheten und Patriarchen,Alles, was nur für jüdisch galt, wurde von diesen schriftstellerischenWegelagerern, von denen die meisten sich durch eine Maske unkenntlichmachten, geschmäht, geschändet, begeifert. Der durch Lessing und Mendels-sohn eingelullte Judenhaß wurde zuerst wieder erweckt von dem RichterChristian Ludwig Paalzow. In seinem „christlichen Staat" stieg
') Vgl. darüber Note 5.