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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Der Leibzoll.

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aus Furcht vor den Franzosen wurden nur die französischen Juden da-von befreit, für die deutsch-jüdischen Reisenden oder Wanderer blieb da-gegen der Leibzoll bestehen. Jeder Schritt zur Lösung der drückendenFesseln kostete in Deutschland viel Schweiß.

In Folge des Friedens von Lüneville war das heilige römischeReich zum ersten Male zerstückelt worden. Die Reichsdeputation, inRegensburg versammelt, sollte die verrenkten Glieder wieder einiger-maßen in Ordnung bringen oder die Entschädigung derer, welcheVerluste erlitten hatten, erledigen. An diese mit Länderschacher be-schäftigte Conferenz der Gesandten von acht Fürsten, welche von Kurz-sichtigen als Vertreter des deutschen Volkes angesehen wurden, ergingein Gesuch der deutschen Juden, ihnen das Passive Bürgerrecht zu er-theilen (15. Nov. 1802^. Diese Bittschrift hatte der Turn- undTaxis'sche Regierungsadvokat Christoph Grundim Namen derdeutschen Judenschast" ansgearbeitet. Man weiß nicht genau, welcheGemeinde oder welche für die Befreiung eifrige Einzelne ihm denAuftrag gegeben hatten. Es scheint, daß dieses Gesuch von Frankfurtangeregt wurde. Es verlangte: die Reichsdeputation möge von derdeutschen Judenschaft die lästigen Distinktionen nehmen, unter denensie noch durchgehend seufzt; ihre eingeengten Wohnbezirke öffnen, damitsie sich zum Behufe der Gesundheit und eines freien Lebensgenussesungebunden in städtische Wohnungen vertheilen können; die Fesselnlösen, mit welchen ihre Bevölkerung, ihr Handel und Erwerbfleiß ver-

i) In Steinbecks Patrioten, Jahrg. I., 1803 (Gedruckt Weimar) MaiS. 273 283 ist abgedruckt:Bittschrift der Juden in Deutschland an disRepräsentanten unsrer Nation um das deutsche Bürgerrecht, von Hofrath ChristophGrund in Regensbnrg." Zum Schluß heißt es: Regensb. am 15. Nov. 1802

Chr. G.im Namen der deutschen Judenschaft." Der Herausgeber

Steinbeck bemerkt: daß diese Petition an die Rsichsdeputation in Regensburgin einigen Zeitungen veröffentlicht worden ist. Sie ist aber wenig bekannt,und auch Steinbecks Patriot ist selten geworden, lieber das Schicksal dieserPetition ist nichts bekannt. Höchst wahrscheinlich bezieht sich darauf die anonymejudenfeindliche Schrift:Dis Juden in Deutschland und deren Annahme zuReichs-und Provinzialbürgern. Gedanken, durch den neuerlichen Antrag deschurböhmischen Gesandten zu Regensburg, den Juden das Bürger-recht zu ertheilen, veranlaßt." Heilbronn, Januar 1803 (auch diese Schriftist selten). Breidenbach scheint bei dieser Petition betheiligt gewesen zu sein.Denn Anfang 1804 war er in Regensburg, um die Mitwirkung des Kurfürsten-Reichskanzlers (Dalberg) und der angesehnsten Reichstagsgesandten zur Erreichungseines menschenfreundlichen Zweckes zu reclamiren (Scheppler a. a. O, S. 83).Zwischen 20.31. März 1803 schrieb Börne in sein Tagebuch:Heute kann sichdas Schicksal der Juden entscheiden" (Briefe des jungen Börne, S. 40). Er-warteten dis Juden noch in dieser Zeit eine günstige Entscheidung von derReichsdeputation oder dem Reichstage?