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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Ländern nicht bekannt. Was half es, daß der Kaiser Joseph ihn inOesterreich und Friedrich Wilhelm II. ihn in Preußen aügeschaffthatten? Er bestand in seiner ganzen Scheußlichkeit in Mittel- undWestdeutschland fort, in der Main- und Rhein-Gegend, wo Zwerg-staaten an Zwergstaaten von wenigen Quadratmeilen dicht an einandergrenzten, Schlagbaum auf Schlagbaum in kurzen Zwischenräumen sicherhob. Machte ein Jude auch nur eine Tagereise, so berührte erverschiedene Gebiete und mußte an jeder Grenze den Leibzoll erlegen-Ein bettelnder Jude wies in Begleitung seines unmündigen Sohnsfür sechs Tage Zollzettel über fünf und einen kalben Gulden auf,die er in verschiedenen Aemtern hatte entrichten müssen *). Mehr nochals das Geld entwürdigte die Art der Erhebung. Die Abgabe bestandöfter nur in wenigen Kreuzern und drückte nur die Armen, die davonnicht befreit waren, und ihre Bettelpfennige dem Amte überliefernmußten. Aber das brutale Verfahren der Beamten, die Behandlungan jeder Grenze verletzte auch die Reichen. So lange die französischenHeere deutsche Gebietstheile besetzt hielten, waren die Juden vomLeibzoll befreit. Kaum waren sie in Folge des Friedensschlusses vonLüneville abgezogen, so führten die kleinen deutschen Fürsten sofortdie Steuer wieder ein, wobei es ihnen nicht sowohl auf die geringenEinnahmen, als vielmehr auf die Demüthigung der Juden ankam.Sie belegten mit dieser Schmach auch die französischen Juden, welchein Handelsgeschäften über den Rhein gekommen waren. Sie beriefensich dabei echt deutsch auf den Buchstaben, weil es in einemArtikel des Friedensvertrages von Campo Formio hieß:Alle Handels-geschäfte und Verkehr bleiben einstweilen in derselben Lage, wie sie sichvor dem Kriege befanden" ^). Die französischen Juden, stolz auf ihrBürgerthum, mochten sich dieser Entwürdigung nicht aussetzen, brachenihre Handelsverbindungen mit Deutschland ab und beklagten sich überdiese Unbill bei der französischen Regierung. Diese nahm die Sachenicht leicht. Der Regierungscommissar Jollivet richtete^) ein Rund-schreiben (1801) an die Geschäftsträger der französischen Republik beiden deutschen Höfen, nicht zuzugeben, den französischen Bürger israeli-tischen Glaubens zum Thiere herabzuwürdigen. Sie sollten bei den be-treffenden Regierungen ernste Vorstellungen darüber machen und allen-falls mit Wiedervergeltung drohen. Einige kleine Fürsten, wie die vonSolms, gaben kleinlaut nach und hoben den Leibzoll sofort auf^); freilich

') Scheppler, über die Aufhebung des Leibzolls, S. 114 f.

°) Das. S. 158.

Das. Beilage Nr. VI.

Das. Beilage VII. und VIII. ä. ä. 27. Januar und 2. Mai 1801, wahr-scheinlich in Folge des Jollivet'schen Circulars.