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Geschichte der Juden.
und ehe das Jahrhundert abgelaufen war, wurde er der Diktator des vonParteikämpfen zerrissenen Frankreichs und machte der Anarchie ein Ende(18. — 20. Brumaire — 9. — 11. Nov. 1799).
Bonaparte tödtete die Freiheit, seine Mutter, oder vielmehr erblies ihr den letzten Athem aus; er knebelte die Gerechtigkeit, drücktedie Menschenwürde, die sich durch den Sturz des hochmüthigen altenAdels gehoben hatte, in den Staub und setzte von Neuem Gewalt undRuhmlust an die Stelle der Bnrgertugenden. Kurz, er schlug derMenschheit tausend Wunden. Allein kein Denkender verkennt jetzt,daß Bonaparte, so wie er war, mit seiner Selbstsucht und Brutalität,eine geschichtliche Nothwendigkeit war. Eine Errungenschaft der Revo-lution hatte er bestehen lassen und sie befestigt: die Gleichheit. Siekam besonders den Juden zu Gute. Sie hing nicht mehr von demBelieben eines Herrschers ab, sondern war durch die zehnjährigenrevolutionären Bewegungen tief in die Gemüther der Franzosen ein-gedrungen. Doch fehlte den französischen Inden noch etwas zur völligenGleichheit. Als Bürger waren die Söhne Judas allerdings auch inder neuen consularischeu Verfassung, wie später unter dem Kaiserreiche,ohne weiteres den Franzosen gleichgestellt. Ein anderes war es aber,als sie in ihrer Gesammtheit, als Religionsgenossenschaft, nebenKatholiken und Protestanten, anerkannt werden sollten. Bei derWiedereinführung des alten Cnltns und dem Abschluß des Coucordatsmit dem Papstthume — wobei er, der Kluge, von den noch klügerenKlerikalen so überlistet wurde, daß der verfolgungssüchtige Katholicis-mus den während der Revolution verlorenen Boden allmählich zurück-erobern konnte, — wurde der öffentliche Cnltns des Judenthumsgesetzlich nicht festgestellt. Bonapartes Ansicht vom Werthe des Jndeu-thums war getheilt. Er hegte gegen dasselbe zugleich die höchste Ver-ehrung und eine geringschätzige Verachtung. Ihm, der die Bedeutunggeschichtlicher Thatsachen, welche der Veränderlichkeit der Zeiten trotzen,zu würdigen verstand, imponirte das Jndenthum, das so vielen Stürmenund Verfolgungen zäh widerstanden hatte. Aber er konnte dessenGröße in der äußerlichen Verkümmerung, in der Knechtsgestalt nichtwiedererkennen, und theilte vollständig die Vorurtheile der großenMenge gegen das bestehende Judeuthum, das doch selbst von den Judenverkannt wurde. Diese zwiespältige Ansicht drückte sein Organ, Portalis,aus, als dieser der gesetzgebenden Versammlung den Bericht über dieWiederherstellung der Culte vorlas (15. Germiual, Jahr X). „Indemiich die Regierung mit der Organisation der verschiedenen Culte be-schäftigt, hat sie die jüdische Religion nicht ans dem Gesichte verloren.Sie soll wie alle übrigen an der von unseren Gesetzen beschlossenen