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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Emancipation der holländischen Juden. 209

der Messiashoffnung beleuchtete er besonders, und wies nach, daßdiese die Juden nicht hinderte, sich eng und herzlich an den Staatanzuschließen. Nächst Fricdrichsfeld entwickelten sechs angesehene undeinsichtsvolle Juden die meisten deutscher Abkunft den größtenEifer, um das Vollbürgerrecht für die holländischen Juden zu erwirken:Herz Bromet, welcher lange in Surinam gewesen war, dort alsfreier Bürger gelebt und politische Erfahrung und Vermögen mitge-bracht hatte; Mose Asser, der zum Ritter des belgischen Löwen-Ordens ernannt worden war; obwohl er keine regelmäßigen Studiengemacht hatte, besaß er doch so bedeutende Rechtskenntnisse, daß erspäter zum Mitglied der Justizverwaltung ernannt wurde. AuchCarolus Asser und Isaak de Jonghe, angesehene Männer derdeutschen Gemeinde, waren für die Emancipation rührig. Von denPortugiesen betheiligten sich indessen nur zwei au der Erwerbung derGleichstellung: der geachtete Arzt Herz de Lemon und JakobSaportas, wahrscheinlich ein Abkömmling der berühmten, nachAmsterdam eingewanderten Familie Sasportas. Diese Männer reichtenzunächst ein Bittgesuch an die zusammengetretene batavische National-versammlung ein <26. März 1796), welche im Haag ihre Sitzungenhielt, worin sie die Gleichstellung der batavischen Juden als ein Rechtbeanspruchten:Da sie stimmberechtigte Bürger der batavischen Republikseien und das Bürgerrecht bereits ausgeübt hatten, so verlangten sie,daß die Versammlung erklären möge, daß sie dieses Recht im ganzenUmfange genießen sollten." Die Nationalversammlung nahm diesesGesnch in Berücksichtigung und ernannte eine Commission zur Be-rathung und Begutachtung dafür, zu welcher ein Deputirter, Hahn,zugezogen wurde, der mit vieler Wärme und ganzem Ernste für dieJuden eintrat. Als die Judenfrage zur Verhandlung kam (August 1796),war die Spannung sehr groß.

Obwohl die Gleichstellung der Inden in der batavischen Repu-blik bereits im Prinzip und auch Praktisch durch die Zulassung der-selben zur Wahl anerkannt war, so hatte sie doch noch immer vieleGegner, fast mehr noch als in Frankreich,' zu bekämpfen. Die con-servativen holländischen Deputirten waren in ihrem Herzen recht festbibelgläubig, und für sie waren noch die neutestamentlichen SchriftenGottes Wort: daß die Juden verworfen seien und verworfen bleibensollten. Die verhältnißmäßig große Zahl der Juden, ihr Reichthum,ihr Ansehen und ihre Geschicklichkeit ließen ferner befürchten, daß sicsich in die hohen und höchsten Staatsämter einnisten und die Christenverdrängen würden. Sechzigtausend oder Hunderttausend Inden ver-schwanden in dem großen Frankreich wie ein Sandkorn in einem

G r aetz, Geschichte der Juden. XI. 14