Kampf für und gegen die Emancipation. 199
Mittelalter schwinden sah, zauderte anfangs mit der Bestätigungdieses Gesetzes (7. Augusts. Zehn Jahre vorher hatten die ElsaßerJuden vergebens das ganze Elend ihrer Lage in einer Denkschriftdem Staatsrath vor Augen gelegt (o. S. 60), sie wurden gar nichtbeachtet. Durch den plötzlichen Umschwung erhielten sie in einerZeitspanne von kaum einer Stunde mehr als sie zu hoffen gewagthatten.
Aber zum Beschlüsse über die Hauptsache für die Juden desNiederrheins, wie diese Landestheile jetzt genannt wurden, über dieBewilligung des Vollbürgerrechts für sie, mochte die Nationalver-sammlung noch immer nicht schreiten. Zwei Versuche, welche noch ge-macht wurden, verfehlten abermals ihre Wirkung. Als Grogoire einstden Vorsitz hatte <18. Jan. 1791) und ans seine Unterstützung gerechnetwerden konnte, stellte der Deputirte Martineau den Antrag, dieGleichstellung, welche ein Jahr vorher den portugiesischen Juden zu-erkannt worden war, ans sämmtliche in Frankreich naturalisirte Judenauszudehnen. Schon sprachen sich Stimmen günstig dafür aus, alsder Herzog de Broglie mit einer heftigen Rede dazwischen fuhr. Erbehauptete, daß dieser Beschluß neuen Gährnngsstoff in die ProvinzenElsaß und Lothringen werfen würde, die ohnehin durch die eidver-weigernden Geistlichen in großer Aufregung wären. Die Stadt Straßburgsei ebenfalls in großer Gährnng wegen der Juden, die sich dort, wobis dahin kein Jude wohnen durfte, niederlassen wollten. In derThat hatte Straßburg eine Adresse an die Versammlung gerichtet,worin sie eine recht kleinbürgerliche Engherzigkeit an den Tag gelegthatte. Sie wünschte nicht bloß den Zuzug der Juden zu Hintertreiben,sondern die längst eingesessene geachtete Familie Cers Berr ausStraßburg ausgewiesen zu sehen. Zu allerhand Lügen hatte dasGesuch der Straßburger greifen müssen, um den Schritt zu beschönigen.De Broglie behauptete ferner, daß den Inden im Elsaß im All-gemeinen gar nichts daran läge, Bürger zu werden. Die Petition
Z llalpben, x. 5.
"i Abgedruckt bei Schlözer, Staatsanzeigen, 1791., x. 439 f; Biester, Bert.Monatsschrift 1791, Bd. 18, S. 381 f.: 1) 77-88-bninbls st trs8-re8peetnen8s^.ärssss, gns preüsnts ä l'^sseinblss nationale la ooininnne tonte entisrsdela rille de LtrasebonrZ-. 2) llsporms des llniks de la l?rorlnes cks la lwrraiusä 1'ackrssss presentes ä 1'^.88smblss nationale par 1a eoininnne tonte entisrscts la rille de LtrasbonrZ. Auch ein Deputirter aus dem Elsaß, ein Deutscher,Pfliger, hatte ein judenfeindliches Memoire eingereicht: Lötlsxions snrlesdnits«1'^.lsaes. Dagegen schrieb ein Repräsentant der Pariser Commune, de HonrKS,eine »lettre an eoinlts de eon8titntion snr batkairs dsa suiks.« (^.roiiivssIsrael. 1844, p. 46ö.)