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Geschichte der Juden.
Lieblingsansicht Raum gegeben, daß den Rabbinen die Civilgerichts-barkeit gewahrt bleibe. Dieser Ansicht trat sein eigener Neffe JakobBerr mit einem Schreiben (25. April), an la Fare gerichtet,entgegen'). Indessen hatte sich auch die Bevölkerung des Elsaß mitder Gleichstellung der Juden befreundet. Einige Gemeinden, welchedie Communalgüter zu vertheilen hatten, bewahrten auch den Judenden auf sie fallenden Antheil, in der Voraussetzung, daß er ihnengebührte. Eine Stadt im Elsaß verlangte von der Nationalversammlung,sich sofort mit dem Loose der Juden zu beschäftigen, weil die Unge-wißheit darüber sie Gefahren aussetze. Auf Grund dessen verlangteneinige Deputirte (15. April) die Judenfrage endlich auf die Tages-ordnung zu setzen. Dem widersetzte sich abermals der Abt Maury,der eine Denkschrift vorzulegen versprach, welche die Juden vorher be-antworten sollten. Um jedoch die Juden des Elsaß vor Volksaufläuseuzu schützen, dekretirte die Versammlung abermals, daß sie unter demSchutze der Gesetze ständen und die Behörden und die Nationalgardeüber deren Sicherheit zu wachen hätten 2). Damit beschwichtigten sieihr Gewissen. Der König sanktionirte sofort (18. April) das Sicher-heitsgesetz für die Elsäßer Juden ch. Darauf ruhte die Frage wiederdrei Monate.
Glücklicher Weise stand jedoch die Judenfrage nicht vereinzeltsondern hing mit anderen Fragen zusammen. Die Juden des Elsaß,und besonders die von Metz, hatten hohe Schutzgelder zu bezahlen.Als die Fiiianzfrage auf die Tagesordnung kam, mußte die Ver-sammlung sich darüber aussprechen, ob diese Schutzgelder fortdauernoder wegfallen sollten. Sie entschied im liberalsten Sinne, obwohldie Deputirten bei dem bodenlosen Deficit sich den Kopf zerbrachen,womit sie die ausfallenden Einnahmen decken sollten. Der Referentfür den Ausschuß der Domänen, Vismes, setzte zuerst die Unge-rechtigkeit ins Licht, daß die Gemeinde von Metz dem Hause Braucas29000 Frank jährlich zu zahlen hatte, welche Ludwig XIV. ihmund der Gräfin Fontaine in guter Laune überwiesen hatte (o. S. 57).Er knüpfte daran den Antrag, daß die Judensteuer ohne Ent-schädigung wegfallen, und noch dazu jede Abgabe, unter welchemTitel auch immer, Schutzgeld, Aufenthaltsgeld, Toleranzgeld, aufhörenmöge. Fast ohne Widerspruch wurde dieser Antrag zum Gesetz er-hoben (20. Juli''). Ludwig XVI., der damit wieder ein Stück
') Oarwol;', 1a Israslits, x. 56.
2) Aouiteur das. i>. 436, 437.
2) UrOxben, x. 3.
Aouiteur das., p. 838.