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Geschichte der Juden.
Damit war der eine Punkt in dem Gesuch der französischen Judenerledigt. Als aber die Judenfrage später geradezu zur Verhandlungkommen sollte (3. Septbr.), wurde sie wieder aufgeschoben und einemAusschuß überwiesen*). Freilich war der Zeitpunkt am wenigstendafür geeignet. Die Nationalversammlung, Paris und das ganzeLand waren damals in Folge der Frage über das königliche Veto inelektrischer Spannung, die jeden Augenblick in einen Wetterschlag aus-zubrechen drohte. Drei Wochen später mußte die Versammlung sichdoch mit der Judcnfrage befassen. Verfolgungen, welche Juden aber-mals an einigen Orten erduldeten, gaben die Veranlassung dazu. Dievon Nancy wurden mit Plünderung bedroht, weil man ihnen vor-warf, daß sie Getreide aufgekauft und vertheuert hätten. Sie würden,so hieß es, wenn sie gleichgestellt würden, die schönsten Häuser kaufen,ja die ganze Stadt besitzen. Zum Bischof la Fare bemerkte ein auf-geregter Bürger: „Wenn wir Sie verlören, würden wir eines Tageseinen Juden zum Bischof haben; so geschickt sind sie, sich Alles anzu-eignen" 2 ). Die Judenfrage wurde in Folge dessen für so dringlichgehalten, daß die Tagesordnung dadurch (28. Septbr.) unterbrochenwurde. Gregoire war es abermals, der den Verfolgten das Wortredete. Ihn unterstützte der Graf Clermout-Tounerre, ein auf-richtiger Freiheitsfreund. Mit glänzender Beredsamkeit hob er hervor,daß die christliche Gesellschaft an der Niedrigkeit der Juden Schuldsei, und daß sie ihnen eine Sühne geben müsse. Die Versammlungbeschloß darauf, daß der Präsident an verschiedene Städte ein Rund-schreiben richten möge: daß die Erklärung der Menschenrechte, welchedie Versammlung angenommen hat, alle Menschen auf Erden, also auchdie Juden, umfasse, daß sie demnach nicht gekränkt werden dürften-Der König wurde angegangen, mit seiner allerdings geschwächten Auto-rität die Juden vor ferneren Verfolgungen zu schützen^). Indessenhatte dieses Mittel bei den entfesselten Leidenschaften keinen Erfolg.Die Juden blieben im Elsaß nach wie vor Quälereien ausgesetzt. Diejüdischen Vertreter der drei Bisthümer, Elsaß und Lothringen ver-loren die Geduld, als ihre Vorstellungen um Gleichberechtigung immerwieder abgewiesen wurden. Sie bemühten sich daher, sich endlich Ge-hör zu verschaffen. Von den Lothringischen Deputirteu vor die National-versammlung geführt (14. Oktbr.), erhielt Berr, der unermüdlicheAnwalt für seine Stammesgenossen, das Wort, um das tausendjährige
') Das. p. 210.
') Koniteur das. p. 3<U.°) Das. 263.