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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

werde, und diesen Wunsch sprachen ihre vier Dcputirten DavidGravis. Fnrtado, Lopes-Dnbec und Rodrigues aus. Auchvon den Pariser Juden waren etwa Hundert in die Nationalgardeeingetreten und wetteiferten an Patriotismus und revolutionäremMuth mit den übrigen Bürgern. Sie schickten elf Deputirte an dieNationalversammlung, an deren Spitze einen Holländer Goldschmidtund einen Portugiesen, Abraham Lopes - Lagu na, welche um Ab-wendung der Schmach, mit der sie als Juden bedeckt sind, und umausdrückliche Gleichstellung durch das Gesetz baten, und den Gedankenanssprachen, daß das Beispiel des französischen Volkes auf alleVölker der Erde wirken werde, die Juden als Brüder anznerkennen.Tie Metzer Gemeinde hatte noch den besonderen Wunsch, daß die Lastder drückenden Abgaben von ihren Schultern genommen und dieSchulden aufgehoben werden, in die sie durch jene Last gerathen waren.Die Gemeinden von Lothringen hatten einen Vertreter zur National-versammlung, Berr-Jsaak Berr (geb. 1744, starb 1828), geschickt, derein Mann von vielen Tugenden und Verdiensten und ein Verehrervon Mendelssohn und Wessely war und vielen Einfluß hatte. Erüberreichte eine Petition, die noch einen besonderen Wunsch enthielt.Berr war talmudisch gebildet und vom talmndischen Judenthume be-geistert. Er scheint von der Auflösung der bisherigen Gemeinde-verbände den Zerfall des Judenthnmes befürchtet zu haben, oder ersah ein, daß die Rabbinen unparteiischer die Streitigkeiten zwischenJuden schlichteten als die Gerichte. Daher ging sein Wunsch dahin,daß die Autorität und Autonomie der Rabbinen für innere An-gelegenheiten durch ein Gesetz aufrecht erhalten und anerkannt werdenmöge. Dagegen protestirten die Deputirten für Luneville und die-jenigen einer Nachbargemeinde. Sie wünschten im Gegentheil voll-ständige Unabhängigkeit von den Rabbinen. Ihre Wünsche wurdenin vier Punkte zusammengefaßt: daß die Versammlung ihnen aus-drücklich den Titel Bürger zuerkennen möge, daß es ihnen ohne Be-schränkung gestattet sei, sich in allen Städten niederzulassen, daß sievon allen ungerechten Abgaben und dem Schutzgeld befreit werdenmöge», und endlich, daß ihnen Religions- und Kultnsfreiheit ein-geräumt werden möge'). Es dauerte aber lange, ehe die Judenfragein ihrer ganzen Schärfe auf die Tagesordnung der Nationalversamm-lung kam, als hätte die Versammlung sich gescheut, diesen Punkt zuberühren, um nicht die öffentliche Meinung vermöge der hartnäckigenVorurtheile und des Judenhasses in den deutschen Provinzen nochleidenschaftlicher gegen die Juden aufzuregen.

') Aonilsur vom 3. Sept. 178V, p. 2lO, auch bei Haffllieu a. a. O.