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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Verfolgung beim Ausbruch der Revolution. 185

erzogen, wußte nicht den Freund vom Feinde zu unterscheiden, undstürzte sich blindlings auf das, was seinem Auge am nächsten lag. ImElsaß machte die niedrige Volksklasse, vielleicht von geheimen Juden-feinden verhetzt, zugleich einen wüthenden Angriff auf die Inden (An-fang August 1789), zerstörte ihre Häuser, plünderte ihre Habe undzwang sie halbnackt zur Flucht. So wurden sie, welche bis dahinvon den Adligen und Geistlichen gedemüthigt und geknechtet wordenwaren, die Leidensgenossen ihrer Tyrannen. Die Elsässer Indenretteten sich meistens nach Basel, und, obwohl dort kein Jude weilendurfte, wurden die Flüchtlinge dennoch beherbergt und mitleidsvollbehandelt. Wessely verewigte die menschliche Gesinnung der Baselerdurch ein schönes hebräisches Gedicht lieber alle diese Aus-schreitungen des ersten Freiheitsrausches, die traurigen Folgen derSelbstsucht der Großen, liefen Klagen bei der Nationalversammlungein; von ihr erwarteten Alle Abhilfe, nicht mehr von dem Königthume,das bereits ein Schatten geworden war. Jeder Deputirte erhielt aus-führliche Berichte über die Unruhen und zum Theil blutigen Ver-gehungen. Die mißhandelten Elsässer Juden hatten sich an Grsgoiregewendet, und dieser entwarf (3. August) ein düsteres Gemälde vondem Jndensturm und fügte hinzu, daß er, ein Diener der Religion,welche alle Menschen als Brüder betrachtet, das Einschreiten der Machtder Versammlung zu Gunsten dieses geächteten und unglücklichen Volkesbeanspruchen müsse. Er veröffentlichte ferner eine SchriftAntragzu Gunsten der Juden", um auf die öffentliche Meinung zuwirken 2 ). Es folgte darauf jene denkwürdige Nacht vom 4. August,welche dem französischen Volke zu ewigem Ruhm gereichen wird, alsder Adel selbst seine Vorrechte auf dem Altar der Freiheit opferteund die Gleichheit aller Bürger anerkannte, jene Nacht, welche dieGeburtsstunde einer neuen Ordnung der Dinge wurde. Erst in Folgedieser Anregung und aus Furcht, daß sie sämmtlich als Opfer derAnarchie fallen könnten, entschlossen sich auch die Juden der übrigenProvinzen, Gesuche um Aufnahme in den Bruderbund des franzö-sischen Volkes zu stellen; aber wiederum traten sie vereinzelt undtheilweise mit widersprechenden Wünschen auf. Die Juden von Bor-deaux waren bereits in die Nationalgarde eingetreten, und einer der-selben war zum Hauptmann ernannt worden. Sie hatten nur deneinen Wunsch, daß diese ihre Gleichstellung durch das Gesetz besiegelt

9 Xrolüvss Israsliiss, Jahrg. 1844, p. 465. lllsassek, Jahrg. 1789, x. 353.

") Uonltsur I, Xo. 32, p. I35s. LIeasssk, Jahrg. 1789, S. 393 f. Ilalxbsu,Hecnsll üss lois sie. eonoerimnl Iss Israslites äspnis ln rsvolntiou cls 1789,Einl., x. XXVI.