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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

waren, konnten wir uns eines Philo, eines Josephus, berühmterMathematiker, Astronomen, Dichter und Architekten rühmen. ... Eswar eine natürliche Folge der Todesgefahr, in der alle Einzelnen beidem geringsten Verdacht schwebten, daß sie, erschlafft und kleinmüthig,nur Furcht und Mißtrauen kannten, und da ihnen das Leben nureine beschwerliche Pilgerschaft war, daß sie nur auf das Heil ihrer

Seelen bedacht waren. Der Mißtrauische sucht den Schleier

des Geheimnisses; selbst die verkannte Tugend scheut das Licht; daherauch der Gebrauch der unverständlichen, kauderwelschen Sprache, derensich die gemeinen Juden fast allenthalben bedienen, wo die Regierung,unbekümmert um ihre Pflichten gegen diese so lange vernachlässigtenUnterthanen, sie fernerhin unthätig ihrem Schicksale überläßt und dieentehrenden Fesseln nicht lösen will, welche die Verfolgungswuth ihnenangelegt, die Verachtung aber erschwert hat. Diese Sprachverderbnißdarf man unbedenklich unter die Ursachen zählen, welche den Fort-gang wissenschaftlicher Bildung unter uns verhindern."

Bing blieb aber nicht bei der Verteidigung stehen, sondern tratmit kühnen Forderungen hervor.Wir verlangen weder eine besondereGnade, noch eine Gunst, noch ein Privilegium, aber wir verlangenein Gesetz, wodurch wir zu den natürlichen Rechten, deren alle Menschenohne Ausnahme theilhaftig sein sollen, zugelassen werden. Wir ver-langen, daß man die entehrende Scheidewand aufhebe, welche unsvon allen übrigen Staatsbürgern absondert, daß man den erniedrigen-den Unterschied nicht ferner dulde, .... daß es jedem verstattet werde,einen Wohnort nach seinem Gefallen zu wählen, daß kein Erwerbs-zweig uns verschlossen, kein Handwerk uns untersagt sei. Wir ver-langen, daß man die Kräfte, welche zum Dienst der bürgerlichen Ge-sellschaft bestimmt sind, fernerhin nicht in einer erzwungenen Unthätigkeitruhen lasse; wir verlangen, daß wenn nicht die den Talenten ge-bührende Belohnung, doch wenigstens die Achtung uns nicht versagtwerde, welche allein dafür schadlos halten kann, daß die im Staatbestehenden Schulanstalten auch uns geöffnet werden, wie jedem andernUnterthan. Wir machen endlich, da wir die Bürgerpflichten ausübenkönnen und wollen, gleichen Anspruch ^auf die Vortheile, welche zurAufmunterung des Verdienstes bestimmt sind. Wenn man uns diesebilligen Forderungen zngestanden haben wird, so muß die Erfahrungden Satz bestätigen, daß zwei Nationen, die unter demselben Himmels-strich, in derselben Verfassung leben, und deren Glaubensmeinungenauf denselben moralischen Prinzipien beruhen, nicht im Wesentlichen,weder dem Charakter, noch den Fähigkeiten nach, verschieden seinkönnen."