Bing.
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Sie wiederholte alle lieblosen und unfläthigen Aenßerungen gegen sie,Hnrch welche Voltaire seinen Unmuth gegen einige derselben losgelassenhatte (o. S. 49): Eingewurzelter Haß der Juden gegen alle Menschen,Wucher, Aberglaube und Unwissenheit, das waren die Schlagwörter,mit denen der deutsch - französische Judenfeind Regierung und Volkgegen sie aufreizte. Die Schrift wurde zwar verboten; aber wannwäre je eine noch so unglaubliche Verleumdung ohne Folgen geblieben?Und der Schein sprach allerdings gegen die Juden. Ein jungerjüdischer Schriftsteller, der erste elsässische Jude, der sich der franzö-sischen Sprache bediente, trat mit einer geharnischten Gegenschrift auf(1787), welche zu der Erwartung berechtigte, daß die Juden nichtmehr, wie zu Voltaires Zeiten, Schmähungen ungerügt über sich er-gehen lassen, daß sie vielmehr aus der stummen Leidentlichkeit hcraus-treten würden. Jesaia Berr-Bing (geb. 1759, starb 1805), zugleichkenntnißreich und beredt, mit der Geschichte seines Volkes mehr be-kannt, als seine jüdischen Zeitgenossen, die Berliner Tonangeber miteingeschlossen, widerlegte mit eindringlicher Ueberzeugnng jene An-schuldigungen. Einige seiner Bemerkungen verdienen noch heute be-herzigt zu werden. „Sie beschuldigen uns (mit Voltaire) ... desAberglaubens. Ist er Ihnen gleichbedeutend mit treuer Anhänglich-keit an eine Religion, der Sie selbst die Spur göttlicher Offenbarungnicht abzusprechen wagen, oder mit gewissenhafter Befolgung allerihrer Gebote? Finden Sie uns dann abergläubisch, so will ich Ihnendas gern zugeben, und meine besten Wünsche gehen dahin, daß wirin solchem Aberglauben immer verharren mögen, der VoltairischenPhilosophie und ihrem Abscheu vor allen Formen und Allem, wasüber ihren Gesichtskreis erhaben ist, zum Trotze." Es gehörte mehrMuth dazu, in der Zeit schaler Aufklärung so zu sprechen, als zuIsaak de Pinto's mit Bücklingen gegen Voltaire vorgebrachter Ver-teidigung der Juden (o. S. 53). „Sie werfen uns Unwissenheit vor",fährt Bing weiter fort, „Sie werden mir (aber) zugeben, daß eine,Nation, che sie ihr Augenmerk auf wissenschaftliche Kultur richtendarf, im Wohlstand leben, Sicherheit des Besitzes und Aussichtenhaben müsse, welche dem Wißbegierigen als Ziel der Studien vor-schweben können. Lassen Sie uns mit diesen Erfordernissen die Ge-schichte des jüdischen Volkes vergleichen, die Unglücksfälle, die Schick-sale, die Umwälzungen, die es erlitten; die Frage wird sich dannleicht beantworten, ob die Juden zu einer Zeit, da ihnen die Muße
nicht versagt war, die Wissenschaften vernachlässigt haben.Zu
jener Zeit, da die Gallier, wie die Germanen, noch in der tiefstenUnwissenheit und in dem abgeschmacktesten Götzendienste versunken
Graetz, Geschichte der Jude». XI. 12