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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Schleiermacher und Chateaubriand.

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Zur selben Zeit hatte ein anderer Romantiker für das in Frank-reich eingestürzte und fast vergessene Christenthum neue Stützen ausSpinnwebefäden anfgerichtet, Chateaubriand. Indessen, wenn seineüberreizte Phantasie, welche sich mit der Vernunft völlig entzweithatte, wennsein Geist des Christenthums" die christlichen Dogmen,z. B. die Dreieinigkeit, in der ganzen Natur, in den Mysterien derheidnischen Religion und in den Aussprüchen der griechischen Weisenfand, wenn er die christlichen Feste und Riten überschätzte, wenn erAlles verklärte, selbst die Mönchskapnzen, wenn er die Künste: Musik,Malerei, Baukunst, Beredtsamkeit und die Poesie ans dem Schooße^des Christcnthums geboren werden ließ, so hat er doch wenigstensauch dem Judenthum einen Antheil an diesem Verdienste gelassen, aller-dings nur in dem Sinne, um die großartigen Züge in der hebräischenLitteratnr und Geschichte für das Christenthum mit Beschlag zu be-legen.Es giebt nur zwei schöne Namen und Erinnerungen in derGeschichte, die der Israeliten und der Pelasger (Griechen)".Wollte Chateaubriand seine Behauptung durchführen, daß die Natur-poesie eine Erfindung des Christenthums sei, so zog er als Beispieldie Prachtschilderungen in Hiob, in den Propheten und Psalmen heran,hinter deren Poesie Pindar und Horaz weit zurückstünden*). Chateau-briand hat die Blüthen der hebräischen Poesie gesammelt, um seinem /gekreuzigten Gotte einen schönen Kranz daraus anfzusetzen. Aber er hatnicht gleich Schleiermacher das Judenthum in den Staub gedrückt, umihm dann die Vaterschaft für das mächtig gewordene Kind abzusprechen.

Bon der nenchristlichen Schule, so wie sie zu staatlichem Einflußgelangte, ging eine neue Judengehässigkeit ans, viel schlimmer alsunter den Alt- oder Tollgläubigen. Eigen ist es, daß die doppelteReaktion, die kirchliche, welche Schleiermacher und zum Theil auchSchlegel zum Vater hat, und die politische, welche sich an Gentzknüpft, in dem Berliner judcnchristlichen Salon ihre Wochenstnbehatte. Aber gerade in demselben Jahre, in welchem der verweiblichteSchleiermacher in seiner romantischen Selbstbespiegelung das Jndenthumals eine Mumie verlästerte, erließ ein Mann, ein Held, ein Riese imVergleich zu den nörgelnden deutschen Zwerggestalten,Bonaparte"einen Aufruf an die Inden, sich um ihn zu schaaren. Er wollte dasheilige Land ihrer Väter für sie erobern und ihnen, ein zweiter Cyrus,den Tempel wieder erbauen. Die Freiheit, welche die Juden Berlinsmit, Darangabe ihrer Eigenart, mit Selbsterniedrigung gegen ihreFeindin, die Kirche, erlangen wollten, fiel ihnen ohne diesen Preisund ohne schimpflichen Schacher durch Frankreich in den Schooß.

*) Lsprit än Obristmnisme, zuerst erschienen 1801. II. 4, 3. '