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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

auf einen Augenblick ihren Haß vergaßen. Diesem Zusammenhangoder der Anerkennung desselben verdankten die Inden in der traurigenZeit der christlichen Ueberglänbigkeit die Schonung, daß sie in Europanicht ganz vertilgt wurden. Das Papstthnm hat sie unter diesem Titelin Schutz genommen,da das Heil von ihnen ausgegangen war".Dieses Band löste Schleiermacher mit einem Hauche. Gemeinschaftmit den Juden zn haben empörte ihn. Aber waren Jesus, die Apostelund die Stammväter der Kirche nicht Juden? Schleiermacher hättediese Thatsache gern abgeleugnet, wenn es nur irgendwie angegangenwäre; aber da er dies nicht vermochte, so löste er die Thatsache inDunst auf.Wie? Jesus soll nur ein jüdischer Rabbi gewesensein, mit menschenfreundlichen Gesinnungen, mit etwas sokratischerMoral, einigen Wundern, oder was wenigstens Andere dafür nahmen,und mit dem Talente, artige Gnomen und Parabeln vorzutrageneinige Thorheiten wird man ihm (nach den drei ersten Evangelisten)immer noch zu verzeihen haben wie? ein Solcher soll eine neueReligion und Kirche Hervorbringen können, ei» Mann, der Mose undMohammed nicht das Wasser gereicht?" Z Diese Thatsache konnteSchleiermacher nicht ertragen; denn da wäre nicht bloß Mose derProphet, sondern auch Mose Mendelssohn, der Weise von Berlin,größer gewesen. Darum hob Schleiermacher seinen Jesus weit, weitüber das Jndenthum hinaus; er habe mit den Juden nur die Zu-fälligkeit der Geburt gemein gehabt, er sei aber übermenschlich gewesenund doch Mensch,dessen Gottesbcwnßtsein ein eigentliches Sein inGott in ihm heißen konnte" oder wie diese romantisch-herrenhuterischemystische Ueberschwenglichkeit sonst lautet. Komisch nimmt es sich aberaus, daß Schleiermacher den von aller Welt verketzerten Juden Spinozabeinah ebenso hoch hob und ihn fast auf eine Linie mit seinem Jesussetzte. Auch in Spinoza spiegelte sich das Universum ab, auch er seider Religion und des heiligen Geistes voll gewesen^). Von dieserFälschung der Geschichte ging seine Theologie oder Christologie aus,von solcher Wortkünstelei hallten seine Predigten wieder, auf welchedie Berliner Judenheit und besonders die jüdischen Weiber so andächtiglauschten, wie einst ihre Vorfahren auf die Lügenkünste der falschenPropheten. Die Schleiermacher'sche Schule, welche tonangebend inDeutschland wurde, hat diese vornehme Verachtung des Judenthumszum Stichwort und zum Ausgangspunkt ihrer Gläubigkeit gemacht.

st Das. Anmerkung 14 zur öten Rede. Vgl. D. Strauß vortrefflicheBemerkung zu dieser romantischen Vornehmheit Schleiermachers, Leben Jesufür das deutsche Volk, S. 92 f.

2) Schleiermacher über Religion das. S. 48.