Schleiermacher's Neuchristeuthum.
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aus dem eigenartigen Kitzel, sich von dem hinreißenden Prediger be-zaubern zu lassen. Sie verließen, wie in der alten biblischen Zeit,die Quelle lebendigen Wassers, um sich Labung ans übertünchtenGruben zu holen. Durch Schleiermacher begannen die vornehmenBerliner Juden zu christeln. Auch diejenigen, welche ans Schein oderans Rücksichten der Taufe fernblieben, hegten eine schwärmerischeVorliebe für das Christenthum, welches der Protestantische Chryso-stomus so anziehend predigte.
Schleiermacher impfte den gebildeten Kreisen Deutschlands vonneuem eine eigene, kaum bezeichenbare Antipathie gegen das Judenthumein. Er war keineswegs, was man so nennt, ein Judenfeind, erwehrte sich vielmehr dagegen, wenn er als solcher bezeichnet wurdest.Aber es waltete in ihni ein dunkles, unangenehmes Gefühl gegen dasjüdische Wesen, dessen er sich nicht erwehren konnte. Als sein Oheimihm die allgemeine Trauer in Berlin um Mendelssohns Tod mittheilteso. S. 92j, mäkelte Schleiermacher an dessen allgemeiner Anerkennungund äußerte sich: „Als Philosoph betrachtet, haben wir doch Männer,die wir ihm an die Seite setzen können, und bei deren Tod doch nichthalb so viel Aufhebens gemacht wurde." Der Oheim mußte ihm ver-weisend bedeuten: daß Mendelssohn für die Deutschen mehr als Philosophwar, daß ihm die Litteratur, die Sprache selbst und die gesunde Kritikungemein viel zu danken Habens. Als Friedländers kopfloses Send-schreiben wegen Zulassung einiger Familien zum Christenthum ohneDreieinigkeitsglanben veröffentlicht wurde, sprach sich Schleiermachergegen diese Zulassung aus. Der Staat möge den Juden immerhinEinbürgerung gewähren, aber sie lediglich als eigene Sekte bestehenlassen, wofern sie die Hoffnung auf den Messias nicht aufgeben st. Eswar ganz in Ordnung, daß er aus Unkenntniß und Duselhaftigkeit vonseinem romantischen Neuchristenthum ans das Judenthnm als Mumiehinstellte, „um die seine Söhne klagend und weinend säßen." Nichteinmal als Vorläufer des Christenthums mochte er das Judenthnmanerkennen. „Ich hasse in der Religion diese Art von historischenBeziehungen"^). Bis dahin hatte sich die gläubige Christenheit ineiner gewissen Gemeinschaft mit dem Judenthum gefühlt, und das alteTestament, die Bibel, war der gemeinsame Boden, auf dem die über-müthige Tochter und die geknechtete Mutter einander begegneten und
st Briese bei Gelegenheit von Friedländers Sendschreiben an Teller, vierterBrief Anfang. sVgl. Ritter, David Friedländer, S. 10 f.j2) Aus Schleiermachers Leben in Briefen I, S. 39.st Hauptinhalt der Briefe bei Gelegenheit re.st Reden über Religion, erste Ausgabe, S. 282.