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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Gemisch von Spinozistischem Pantheismus, Herrenhnterei und etwasLucinde". Hat er dochvertraute Briefe" über die Lucinde ge-schrieben, und diesem Romane der Wollust,der unzüchtigen Nichtigkeit"(wie ihn Heine nannte) gewissermaßen eine Tanfpredigt gehalten undseine weiblichen Beichtkinder dringend ermahnt, sich daran zu sättigenund ja nicht darüber zu erröthen. Seiner jüdischen SeelenbrautHenriette Herz, schrieb Schleiermacher:Aus Religion will ich zuIhnen kommen, ich will das Universum in Ihnen schauen" ^). Unddiese beiden Männer mit befleckter Phantasie wurden Hauptstützen fürdas Christenthum in beiderlei Gestalten; Schlegel verherrlichte den Katho-licismus, und Schleiermacher hob den Protestantismus aus der bis-herigen Verachtung. Freilich haben sich Beide in die Kirchlich-keit hineingeklügelt und hineingelogen. Es ist schwer zu entscheiden,welcher von beiden der größte Sophist war. Schleiermacher, welchermit seiner glatten, gefeilten Beredtsamkeit die Kanzel und mit ihr dieFrauenwelt beherrschte, war ein nenzcitiger Gnostiker, der Phantasie-speise für Geistesmanna reichte.

Indessen, hat sich die jüdische Geschichte auch um einen christlichenPrediger zu kümmern, der mit einem Christenthum eigener Erfindungeinen neuen Reiz gewährte? Hat sie doch die Astarten-Priester-Religionin vielfacher Gestalt erlebt! Allein sie muß diese Thatsache aufzeichnen,weil Schleiermacher das Judenthum vielfach geschädigt hat. Er hatmit seiner Sprachglätte Henriette Herz und viele jüdische Frauen undMädchen Berlins nicht bloß in die Kirche, sondern zur Kirche gezogen,

*) Aus Schleiermachers Leben in Briefen, l. S. 21, 22, und Gallerte vonBildnissen I. S. 226. lieber die Lucinde und Schleiermachers Briefe über die-selbe vgl. aus Varnhagcns Nachlaß Briefe von und an Bettina von ArnimS. 31 >, 314. Varnhagen, der manche Unzüchtigkeit ertragen konnte, fällte einhartes Urtheil über Lucinde und Schleiermachers Commentar dazu und erzählt,daß Verf. und Commentator später die Vaterschaft verleugnet haben. Schleier-macher (Briese I,S. 288) bemerkt, Schlegel habe in derLucinde" auf Schleier-machers Liebesverhältnis mit Henriette Herz angespielt. Noch im Jahre 1806hat sich Henriette Herz gerühmt, daß Schleiermacher ihr zu Ehren gesagt, dieBriefe über die Lucinde hat mehr sie als er geschrieben. (Aus VarnhagensNachlaß von Ludmilla Assiua I, S. 17). Andrerseits erzählt die Herz in ihrenErinnerungen (Fürst S. 112), daß unter den Briefen über die Lucinde einigevon Elenore Grunow stammen. Mit dieser Gattin des Predigers Grunowhatte Schleiermacher ein Liebesverhältniß angeknüpft, sie bestürmt, ihren Gattenzu verlassen, und als sie nach der Entfernung aus des Gatten Hause wiederdahin zurückgekehrt war, machte er ihr über diesen Wankelmuth bittere Vorwürfe.Die Briefe an dieselbe sind abgedruckt, einige noch häßlichere sind vielleichtunterdrückt worden. Das war eine eigenartige Gesellschaft, Schlegel, DorotheaMendelssohn, Schleiermacher, Henriette Herz und Elenore Grunow.