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Geschichte der Juden.
nach Liebe. Während seines Aufenthalts in Berlin besuchte er täglichdas Herzische Haus oder vielmehr die schöne Wirthin. Oester sahendie Straßen Berlins Beide in vertraulichem Gespräch neben einanderwandeln. Es machte einen lächerlichen Eindruck, wie der kleine,schmächtige, magere Schleiermacher neben der großgewachsenen kräftigenJüdin, der einstige Herrenhuter neben der „tragischen Muse" einher-trippelte. Der bereits geweckte Berliner Witz machte eine Caricaturdarauf,, wie der winzige christliche Prediger als Knicker ans der Tascheder Jüdin herausguckte, lieber diese auffallende Vertrautheit machtenBekannte noch mehr als Fremde flüsternd ihre spöttischen Bemerkungen.Beide haben freilich die Sträflichkeit ihres intimen Umgangs, allzueifrig, in Abrede gestellt^). Ob wahr oder unwahr, war es nichtSchmach genug, daß die bösen Zungen den Ruf einer jüdischen Ehefrauaus einem sittlichen Hause auch nur verdächtigen konnten?
Zu Schleiermacher gesellte sich Friedrich Schlegel, dieserHimmelsstürmer mit Kiuderfäusten, dieses Chamäleon an Stimmungenund Ansichten, der bald für die Republik, bald für den monarchischenDespotismus schwärmte, und beides nicht ehrlich meinte, der zuerstdie Gespenster und Plagegeister des Mittelalters heraufbeschwor, einwüster, romantischer Wollüstling, ein Sohn der Walpurgisnacht. Inden Herzischen Salon eingeführt, wurde er der vertraute FreundSchleiermachers und legte es sofort auf die Verführung DorotheaMendelssohns an. Der Vater hatte sich ins Grab gelegt mit demBewußtsein, daß sie eine glückliche Ehe mit dem Bankier Simon Beit-Witzenhausen führte. Ihr Gatte umgab sie mit aufmerksamer Liebe.Zwei Kinder lächelten ihr aus dieser Ehe zu. Nichtsdestowenigerließ sie sich von der verführerischen Stimme des romantisch- gewissenlosenSchlegel zum Treubruch verleiten. Schon hatte die Verkehrtheit desTugendbundes ihr den Wahn eingeimpft, sich in ihrer Ehe unglücklichfühlen zu müssen. Es gehörte einmal zum guten Ton dieser Gesellschaft,empfindsame Klagen über Verkennung und Disharmonie der Seelenauszustoßen. Die unzüchtige Lehre von Goethes Wahlverwandtschafthatte auch schon in jüdischen Familien Wurzel gefaßt. Der Gedankean die Trennung von ihrem Gatten und ihren Kindern schreckteDorothea nicht mehr vor einem Fehltritt zurück. Henriette Herz gabsich als Unterhändlerin für die Sünde her; es fiel ihr nicht schwer.Dorothea trennte sich darauf von ihrem Manne und lebte mit Schlegelzuerst in wilder Ehe. Alle Welt war über diese Unsittlichkeit empört. In
*) S. aus Schleiermachers Leben in Briefen I, S. 187, 194, H. Herz,Erinnerungen S. 116, und weiter unten.