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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Henriette Herz.

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gesellschaftliche Anstandsformen mit einander verkehren, einander dutzen,einander ihre Empfindung und Gelüste ohne Rückhalt und Schamdarlegeu sollten. Es war damals der Beginn der von Goethes Poesieausgegangenen deutschen Romantik, welche dahin strebte, die lyrischenGefühle der Dichtkunst zu verwirklichen, das Leben poetisch zu verklären.Diese romantische Richtung lief zuletzt darauf hinaus, dem Genuß zufröhnen ,Empfindsamkeit zu nähren und berüchtigte Wahlverwandtschafts-Ehen zu suchen, mit einem Wort, das, was man ein verfeinertesgefälliges Heidenthum nennt, einzuführen, das um so verderblicherwar, als es den Schein der Tugendhaftigkeit annahm. In diesensogenannten Tugendbund traten nebst Henriette Herz ihre schöneSchwester Brenna und die beiden Töchter Mendelssohns. Sie fühltensich gehoben und geehrt, mit Christen der vornehmen Stände in eineso innige Beziehung zu treten. Die Thörinnen sahen nicht die züngelndeSchlange unter den Blumen. Der Weihrauch benebelte so sehr denSin» der Henriette Herz, daß sie hinter dem Rücken ihres Mannes,während dieser seinem ärztlichen Berufe oblag, Liebeleien mit zweioder drei Männern Z zu gleicher Zeit anknüpfte, wovon der eineGatte und Vater war. Es sollte allerdings eine platonische Liebe sein;aber diese hielt sich zwischen leidenschaftlichen, grundsatzlosen Männernund einer schönen, eitlen Frau nicht immer an der Grenzlinie desGeziemenden und Ehrbaren. Mit Wilhelm von Humboldt, einemfeurigen Jüngling, unterhielt Henriette, immer hinter dem Rückenihres Gatten und in tiefes Geheimniß gehüllt, einen Liebesbriefwechsel,dessen sich der Staatsmann, der die Leichtbethörte verspottete, späterschämte 2). Dieser Briefwechsel wurde in hebräischen Schriftzügen, diesie dem jugendlichen Liebhaber beibrachte, geführt, damit ihr Geheimnißdadurch doppelt sicher gewahrt sei^).

Als Wilhelm von Humboldt geheirathet und die der Eitelkeit ver-fallene Henriette so ziemlich vergessen hatte, knüpfte sich ein znm wenigstenzweideutiges Verhältnis zwischen ihr und Schleiermacher, diesemmodernen Apostel des neuen Christenthums, der aus Spinngewebenneue Seile zur Fesselung der Geister zusammen flocht. Diese starkeSäule des heutigen Christenthums, der Urahn des christlichen Staates,war in seiner Gefühlstraumseligkeit schwach wie ein Weib und schmachtete

H Aus Varnhagens Nachlaß das. S. 44, 53. Die drei Männer warenaußer Wilhelm von Humboldt noch Karl Laroche, von dem das. S. 47 öfterdie Rede ist, und der beweibte war Meyering.

2) S. Ludmilla Assings Einleitung zum Nachlaß S. 16.

°) Das. S. 66. Die Korrespondenz zwischen W. Humboldt und der Herzwirft kein günstiges Licht auf diesen Tugendbuud.

Graetz, Geschichte der Juden. XI.

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