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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

blutend und entstellt von den Wunden, welche die Religion der Liebeihm geschlagen hatte und noch täglich schlug. Friedländer konntesich zwar nicht verbergen, daß bei den Judendie Tugend häufig,die Mildthätigkeit heimisch, die väterliche und kindliche Liebe, dieHeiligkeit der Ehe tief begründet, die Aufopferung zum Besten An-derer zahlreich, dagegen grobe Verbrechen, Mord, Raub und Tod-schlag selten sind"Aber diese Glanzseite in der Knechtsgestalt schienihm nur eine Nebensache. Er war nicht der Mann, zu erkennen, daßdiese schönen Tugenden Früchte sind, welche das biblische und talmudischeJudenthum gezeitigt hatten, daß diese und noch andere Vorzüge in soseltener Vereinigung nur diesem Stamme, weil er ein tausendjährigesMärtyrerthum durchgemacht hat, eigen waren. Daher schmähte er indiesem Gewäsche von Sendschreiben sein Volk und dessen Vergangen-heit, nannte den Talmud, diesen Geisteserwecker, Mystik, sprach in un-logischer Verwirrung bald von der Schädlichkeit, bald von der Nütz-lichkeit der Ritualgesetze des Judenthums, entwarf ein Bild von derjüdischen Geschichtsentwickelung, wie es nicht verkehrter ausgedachtwerde» kann 2). Wenn der Verfasser nicht ein solcher Flachkopf ge-wesen wäre, hätte man das Sendschreiben für eine Satyre auf daslieblose Christenthum halten können, wie es denn auch Schleiermacherdafür angesehen hat, ehe er wußte, daß es von Friedländer ausge-gangen warb).

Teller fertigte die jüdischen Familienväter, die sich zu einemChristenthum ohne Jesus drängten, ab, wie sie es verdienten, höflich,aber entschieden. Sie sollten nur bleiben, wo sie sind, das Christen-thum trage nach solchen ungläubigen Gläubigen kein Verlangen. Erkönne ihnen weder den Sohn Gottes, noch die Taufe, noch das Abend-mahl und die christlichen Feste erlassen. Sie müßten dies alles mitin den Kauf nehmen. Ob der Staat sie dann der Gleichstellung fürwürdig halten würde, das sei seine Caches. Friedländer hatte einebeschämende Erfahrung gemacht. Er blieb allerdings Jude; aber

i) Sendschreiben an Teller S. 55.

-) Sendschreiben an Teller. Jost bemerkt in der Geschichte des JudenthumsIII. S. 320, daß Friedländer froh war, daß das Sendschreiben in Vergessenheitsank. Dem ist aber nicht so. Zwanzig Jahre später that sich Friedländer nochetwas zu Gute daraus und bemerkte im Vorbericht zu: Verbesserung derIsraeliten in Polen S. IX.:das Sendschreiben werde in den Wogen der Ge-schichte nicht ganz untergegangen sein".

") Briefe bei Gelegenheit der theol.-pol. Ausgabe und des Sendschreibens(erste Ausg.), S. 11.

*) Teller, Beantwortung des Sendschreibens einiger Hausväter jüd. Religion,Berlin 1799.