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Geschichte der Juden.
„Nur armes und unansehnliches Volk wird in deiner Mitte verbleiben".Biele dieser Getauften sahen mit Verachtung auf ihre früheren Stammes-genossen herab und gesellten sich zu den Judenfeinden. So hatte dieKirche einen mühelosen Sieg. Seitdem die Frankisten in Südpolenwenige Jahrzehnte vorher zum Katholicismus übergetreten waren, sahdie Kirche nicht so viel Judentaufen ohne Feuer und Schwert. Indrei Jahrzenten war die Hälfte der Berliner Gemeinde zur Kircheübergetreten i). Höhnisch fragten die Freunde der jüdischen Einbürgerung:„Warum denn der Staat so freudig die jüdischen Täuflinge aufnehmeund ihnen Gleichberechtigung ertheilte; ob denn die Taufe die ver-dorbenen, verkommenen, unverbesserlichen Juden in brauchbare Menschenumzuwandeln, ob das Benetzen mit Wasser ihre tiefe Gesunkenheitmit einemmal wegzuwischen vermöge!^" Es ist als ein Wunder an-zusehen, daß damals nicht sämmtliche jüdische aufgeklärte Vernünftlerin Deutschland dem Judenthum den Rücken gekehrt haben. Drei un-sichtbare Mächte schützten sie, dem Beispiel des Berraths und desAbfalls zu folgen: die tiefe Abneigung gegen das Gottmenschthum,die unvertilgbare Anhänglichkeit an die Familie und an die tausend-jährige große Vergangenheit und endlich die Liebe zur hebräischenSprache und Litteratur. Ohne es zu ahnen, fühlten sie sich nationalvereint und eng verknüpft mit der laugen Geschichtskette des jüdischenStammes und konnten es nicht über sich gewinnen, sich davon zulösen. Die Wiederbelebung der hebräischen Sprache durch den Measfim-Kreis hat nach dieser Seite hin sehr günstig gewirkt. Wer die Schön-heit und Erhabenheit der biblischen Litteratur zu begreifen undihre Sprache nachzuahmen verstand, blieb Jude trotz des Zweifelsim Herzen, trotz aller Hintansetzung und Schmach. So hatte Mendels-sohn dem neuen Geschlechte zugleich das Gift und das Gegengiftgereicht.
Nur David Friedländer machte eine Ausnahme von dieser Regel.Auf ihn hatte weder das jüdische Alterthum, noch die hebräische Poesie,noch der Familiensinn die Macht, ihn, wenn auch mit widerstrebendemGefühle, bei der Fahne zu erhalten. Ihm bedrückte zwar auch dasZerreißen aller Familienverbindungen, das Lossagen von allen Pflichtender Religionsgesellschaft das Herz ^). Nichts destoweniger nahm auch
*) Rahels Brief an ihren Bruder Robert ä. ä. fBaden, 29. Augusts 1819in Freunds Monatsschrift, Jahrg. 1843, S. 182. fVgl. hierzu Note 7.s
") Archiv der Zeit 1799, politisch-theologische Aufgabe über die Behandlungder jüdischen Täuflinge.
Sendschreiben an Teller von einigen Hausvätern jüdischer Religion is.weiter unten), S. 56.